75. Jahrestag der Ermordung der „Welser Gruppe“

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75. Jahrestag der Ermordung der „Welser Gruppe“

Am 27. April 1945 erklärte in Wien die provisorische Staatsregierung von Karl Renner die Unabhängigkeit Österreichs. Damit war die Zweite Republik gegründet. Doch in Oberösterreich herrschten noch die Nationalsozialisten. August Eigruber, Gauleiter von „Oberdonau“, befahl die Ermordung der im KZ Mauthausen inhaftierten Widerstandskämpfer der „Welser Gruppe“. Seine Begründung: Die Alliierten sollten keine „aufbauwilligen Kräfte“ vorfinden. Am 28. April 1945 wurden 42 Mitglieder der „Welser Gruppe“ vergast. Es war die letzte Mordaktion im KZ Mauthausen. Am 5. Mai 1945 befreite die vorrückende US-Armee das Lager.

Die „Welser Gruppe“ ist nicht vergessen: Zum 75. Jahrestag ihrer Ermordung würdigen antifaschistische Organisationen und Parteien gemeinsam den mutigen Widerstand gegen die braune Schreckensherrschaft. Weil derzeit keine Kundgebung stattfinden kann, haben das Mauthausen Komitee, die Welser Initiative gegen Faschismus, der KZ-Verband, die Sozialdemokratischen Freiheitskämpfer, SPÖ und KPÖ für Kranzniederlegungen an den Gedenkorten der „Welser Gruppe“ gesorgt. Diese Gedenkorte sind zwei Stelen links und rechts vom Hauptgang des Welser Friedhofs sowie eine große Tafel auf der Stadtmauer im Pollheimerpark.

Die Schriftzüge der beiden Stelen haben durch die Witterung sehr gelitten. Deshalb wurde vom Welser Kulturstadtrat Johann Reindl-Schwaighofer die Sanierung veranlasst. „Viele haben sich damals von der NS-Propaganda blenden lassen, sind Hitlers Weg in Terror, Weltkrieg und Massenmord mitgegangen. Aber manche – wie die ‚Welser Gruppe‘ – sind den schwierigen und oft tödlichen Weg des Widerstandes gegangen“, sagt Reindl-Schwaighofer. „An diese Menschen, die gegen den Faschismus und für ein unabhängiges Österreich gekämpft haben, erinnern wir uns als Vorbilder.“

„Heute bedrohen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus wieder die Demokratie“, stellt Robert Eiter, Vorstandsmitglied des Mauthausen Komitees Österreich, fest. „Oberösterreich weist seit Jahren die meisten rechtsextremen Straftaten aller Bundesländer auf.“ Erst im März wurde das Büro der Sozialdemokratischen Freiheitskämpfer in Linz mit einem großen blauen Hakenkreuz beschmiert. Und vor Ostern wurden in Wels durch mehrere Schmieraktionen Hakenkreuze und fremdenfeindliche Hassparolen verbreitet.

„Die antifaschistische Bewegung fordert seit Jahren einen Nationalen Aktionsplan gegen Rechtsextremismus. Jetzt steht dieser Aktionsplan im Regierungsprogramm. Das Gedenken an die ‚Welser Gruppe‘ ist eine Mahnung, ihn rasch und wirksam umzusetzen“, betont Eiter.

Foto 1: Karl Loy (Welser Arbeiterkammerleiter) (c) Stadtarchiv Wels

Foto 2: Richard Dietl (überlebte als einziger Welser Widerstandskämpfer den Mordbefehl) (c) KPÖ Wels

Fotos 3 -5: Gedenktafel und Stelen im Friedhof (c) Antifa Wels

 

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