Albertina-Direktor Schröder fordert mehr finanzielle Mittel

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Albertina-Direktor Schröder fordert mehr finanzielle Mittel

Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder bekräftigt seine Forderung nach einer Erhöhung der Basisdotierung für sein Haus. Es brauche “einen gerechten Verteilungsschlüssel”, sagte er im Interview mit dem “Kurier”. Wenn die Regierung bei der Budgetrede im Herbst nicht ausreichend hohe Mittel für 2021 in Aussicht stelle, müsse er Mitarbeiter kündigen.

“Ich kann nicht 34 Mitarbeiter für die Kunstvermittlung und zwölf Mitarbeiter im Shop haben, wenn es statt einer Million nur 300.000 Besucher geben dürfte”, so Schröder. Die Deckungsvorsorge des Museums werde bis Ende des Jahres aufgebraucht sein. Ein Gradmesser dafür, wie hoch die Einnahmeverluste heuer wirklich ausfallen werde, werde die Ausstellung “Van Gogh, Cezanne, Matisse. Die Sammlung Hahnloser”, die ab Ende August gezeigt wird, sein.

“Wenn der Zulauf nicht groß sein sollte, müssen wir uns die Frage stellen, ob wir teure Ausstellungen wie ‘Munch und die Folgen’, die ab 18. Februar zu sehen sein soll, oder ‘Modigliani – Picasso. Revolution des Primitivismus’ im Herbst 2021 finanzieren können”, sagte Schröder.

Verzichten könne man auf das Theater bis die Krise vorbei ist, findet Schröder. “Ich kann diesen Satz nicht nachvollziehen: ‘Wir bestehen auf unser Recht, Theater zu spielen, weil es ein Lebensmittel ist.’ Ich habe einen anderen Begriff von Lebensmittel, einen handfesteren: Es sollen lieber mehr Menschen leben können – und wir kommen jetzt einmal ohne Theater aus.”

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Ein finnischer Behördenfehler, der in Helsinki eine unkomplizierte Einreise in den Schengenraum erlaubte, ermöglichte Ende Juni einem russischen Business-Jet und seinen Passagieren, ein für Flüge aus Russland in Österreich geltendes Corona-Landeverbot zu umgehen. Das selbe Flugzeug war bereits im Mai aus Moskau nach Salzburg geflogen, um Koffer von einem österreichischen Zweitwohnsitz abzuholen. Die Gulfstream G650 mit dem Kennzeichen LX-MOW, die wiederholt vom ehemaligen russischen Vizepremier und jetzigen Bankenmanager Igor Schuwalow verwendet wurde, hat es laut APA-Recherchen am 23. Juni mit Passagieren und trotz Corona-Beschränkungen aus Moskau nach Salzburg geschafft. Seit Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) Russland am 18. März auf eine Liste von SARS-CoV-2 Risikogebieten gesetzt hat, sind Landungen von Flugzeugen aus Russland in Österreich nur in Ausnahmefällen erlaubt. Passagierflüge fallen nicht darunter. Möglich wurde der Flug Moskau-Salzburg durch eine Zwischenlandung am Flughafen Helsinki-Vantaa, wo sich LX-MOW 26 Minuten lang am Boden befand. Obwohl derartige Transitflüge für Privatjets in Finnland derzeit nicht erlaubt seien, hätten die Passagiere in der Transitzone des Flughafens die Einreiseformalitäten in die EU erledigen können und Stempel in ihre Reisepässe erhalten, erklärte die Sprecherin der finnischen Grenzbehörde, Päivi Kaasinen, auf APA-Anfrage. “Die Regeln haben sich so schnell verändert, dass sie zu diesem Zeitpunkt nicht allen unseren Beamten klar waren”, betonte sie. Kaasinen sprach von einem “Missverständnis” und versicherte, dass das der einzige Fall dieser Art gewesen sei. Formal ist die Einreise russischer Staatsangehöriger in Finnland derzeit nur mit triftigen Gründen möglich. Gleichzeitig lässt aber auch Russland seine eigenen Staatsbürger nur in Ausnahmefällen ausreisen. Am frühen Nachmittag des 23. Juni landete das Flugzeug schließlich aus Helsinki kommend am Salzburger Flughafen. Vor Ort dürfte es für die Passagiere keine weiteren Probleme gegeben haben: Hätten sie die finnische Grenze jedoch nicht überschritten, hätten sie gemäß einer weiteren Verordnung des Gesundheitsministers derzeit gar nicht in Österreich einreisen dürfen, erläuterte man im für Verkehr zuständigen Klimaschutzministerium. Die Passagierliste unterliegt dem Datenschutz. Fest steht jedoch, dass Igor Schuwalow persönlich nicht an Bord war: Der Vorstandsvorsitzende der Wneschekonombank (WEB) habe am genannten Tag in seinem Büro gearbeitet, hieß es am Donnerstag in dieser staatlichen russischen Bank auf APA-Anfrage. Die Pressestelle ließ gleichzeitig die Frage unbeantwortet, ob etwa Familienmitglieder nach Salzburg gereist seien. Die Schuwalows, die nach österreichischen Medienberichten über einen Wohnsitz in der Villa Campeau in Burgau am Attersee verfügen, sind für den kostspieligen Einsatz von Flugzeugen bekannt: Oppositionspolitiker Aleksej Nawalny hatte 2016 enthüllt, dass Igors Gattin Olga ihre preisgekrönten Corgi-Rassehunde in Privatjets zu internationalen Hundewettbewerben fliegen lässt. Erst am 16. Mai war LX-MOW ohne Passagiere nach Salzburg geflogen, um hier nach Angaben des österreichischen Gesundheitsministeriums “Koffer und andere Sachen” von einem Zweitwohnsitz abzuholen. Damals stand die Gulfstream G650 etwa eine Stunde am Boden und flog dann gleich wieder nach Moskau zurück. Dieses Mal dauerte es länger: Nachdem der Jet am 23. Juni gelandet war, kehrte er erst am 3. Juli wieder nach Moskau zurück.

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Boitos Tragödie “Nero” wird inszeniert von Olivier Tambosi unter musikalischer Leitung von Dirk Kaftan. Damit kommt jenes Team erneut zusammen, das bereits bei “Hamlet” 2016 bei den Festspielen erfolgreich zugange war. Das Stück stelle die Frage, wie der Künstler in der Welt stehe, so Intendantin Sobotka. Eine nicht nur in der Corona-Pandemie aktuelle Frage. Die 75. Ausgabe des Festivals bedeute auch eine 75-jährige Zusammenarbeit mit den Wiener Symphonikern. Das Orchester reist seit 1946 jedes Jahr an den Bodensee. In den Orchesterkonzerten setzt man daher mit Wagners “Rheingold” und Haydns Oratorium “Die Schöpfung” klanggewaltige Schwerpunkte. Beide Festkonzerte werden vom neuen Chefdirigenten Andres Orozco-Estrada geleitet. Ebenfalls neu am Dirigentenpult ist Leo McFall beim Vorarlberger Symphonieorchester. Zu hören sein wird unter anderem Staatspreisträger Thomas Larchers neuestes Orchesterwerk. Reise durch Bregenzer Kulturhäuser Gerade im Jubiläumssommer sei es wichtig, neben der internationalen Strahlkraft des Festivals auch die regionale Vernetzung zu betonen, erklärte Intendantin Sobotka. So bedeutet die Uraufführung von “Ihr seid bereits eingeschifft” von Silvia Costa ab 4. Juni eine Reise durch gleich mehrere Bregenzer Kulturhäuser, konkret durch das Festspielhaus, das Vorarlberger Landestheater, das vorarlberg museum und das KUB. Das Vorarlberger Landestheater am Kornmarkt wird in der Festspielsaison 2021 mehrfach zum Schauplatz. Am 23. Juli feiert dort als Koproduktion mit dem Deutschen Theater Berlin Kleists “Michael Kohlhaas” in der Inszenierung von Andreas Kriegenburg Premiere, unter anderem mit Max Simonischek in der Titelrolle. “Beethoven Goes Africa” heißt es am 28. Juli, wenn das Bochabela String Orchestra & Friends unter Leitung von Klaus Christa spielt. Das Opernstudio, in dem junge Sänger gefördert werden, wird am Kornmarkt ab 16. 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Als Österreichische Erstaufführung zu sehen ist am 29. Juli die in internationaler Koproduktion entstandene interdisziplinäre Filmoper “Upload” von Michel van der Aa. Das Stück unter musikalischer Leitung von Otto Tausk dreht sich um die Frage von Identität in der Ära der künstlichen Intelligenz. Ein schon gewohnter Gast ist 2021 Nikolaus Habjan. Der Puppenspieler wird nicht nur die Eröffnung gemeinsam mit der Musicbanda Franui gestalten, am 11. August werden die beiden Partner “Alles nicht wahr” mit Liedern von Georg Kreisler im Festspielhaus präsentieren. In der Reihe “Musik & Poesie” wird unter anderem Michael Köhlmeier von “Gold und Geld” erzählen (8. August), “Strozzi – Bach – Larcher” singt am 25. Juli Julian Pregardien. Die Crossculture Night, das Jugendprogramm der Festspiele, unternimmt am 10. Juni eine Fahrt mit der “Zeitreisemaschine”. Passend zum 75. Jubiläum suchen die Festspiele nach Erinnerungen an die Festspielgeschichte. 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Der japanische Kaiser Naruhito (60) hat seinen jüngeren Bruder Fumihito (54) offiziell zum Kronprinzen ernannt. Er sei sich seiner Verantwortlichkeiten als Kronprinz aufrichtig bewusst und werde seine Pflichten erfüllen, versicherte Fumihito. Der Thronfolger trug bei der Zeremonie am Sonntag im kaiserlichen Palast eine orangefarbene Robe. Prinzessin Aiko (18), das einzige Kind des Kaiserpaares, darf die Thronfolge nicht übernehmen, weil dies in Japan nur für Männer vorgesehen ist. Naruhito war vor eineinhalb Jahren auf seinen Vater Akihito (86) gefolgt. Dieser war der erste Kaiser Japans seit rund 200 Jahren, der noch zu Lebzeiten den Thron für seinen Nachfolger freimachte.

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