Anschober: "Neuinfektionen müssen deutlich unter 2000 gedrückt werden"

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Anschober: "Neuinfektionen müssen deutlich unter 2000 gedrückt werden"

Auf hohem Niveau stabil war die Zahl der Patienten auf Intensivstationen, so die Zahlen von Innen- und Gesundheitsministerium zuletzt. Die Zahl der Covid-19-Erkrankten, die im Krankenhaus behandelt werden müssen, ist in der vergangenen Woche um rund neun Prozent zurückgegangen, ebenso wie die Zahl der Intensivpatienten. Am Mittwoch benötigten 3.854 Menschen Spitalsbehandlung, um 63 weniger als am Dienstag. Auf den Intensivstationen lagen 610 Erkrankte – eine Person mehr als am Vortag. Das sind rund 100 weniger als beim bisherigen Höchststand – am 25. November benötigten in Österreich 709 Patienten intensivmedizinische Versorgung.

Dazu berichteten in einer Pressekonferenz Gesundheitsminister Anschober, GÖG-GF Ostermann, ÖGARI-Präs. Markstaller, Pflegedir. Pammer (Kepler Universitätsklinikum Linz; zugeschaltet), Lamprecht (Klinik f. Lungenheilkunde Kepler Universitätsklinikum; zugeschaltet).

Am 3.11. war man bei einem Reproduktionsfaktor von 1,44. Jetzt sei man bei einem Wert zwischen 0,81 und 0,84. “Das passt so”, sagt Anschober, “Ziel eins ist bisher erreicht.” Die 7-Tage-Inzidenz sollte drastisch reduziert werden. “Wir haben sie bisher mehr als halbiert”, sagt Anschober. Sie liege derzeit bei 229. Man sei aber deutlich über dem Wert anderer Länder, etwa auch Deutschland.  “Wir brauchen einen Einser vorne”, betont Anschober.

2.686 Neuinfektionen gab es in den vergangenen 24 Stunden. Im selben Zeitraum sind 107 Todesfälle mit dem Virus verzeichnet worden.

Das dritte Ziel sei das Absenken der Belegung der Intensivbetten. Wo stehe man? Den Höhepunkt von den Zahlen haben man überschritten. Die Überlastungssituation für das Personal sei aber nach wie vor enorm. Daher müsse man runter mit den Zahlen.

Die Neuinfektionen müssen laut Anschober deutlich unter 2000, in Richtung 1000 gedrückt werden. Der R-Faktor muss stabil bleiben, die Intensivbetten sollten eine Auslastung unter 300 haben. Das sei die Grundvoraussetzung.

Katastrophe vorerst verhindert

Die große Katastrophe habe man vorerst verhindert. Es sei aber noch nichts gewonnen. Das betonte auch ÖGARI-Präsident Klaus Markstaller. Momentan seien – durch die Zeitverzögerung –  die schwersten Fälle dieser zweiten Welle auf der Intensivstation. Darunter auch einige Menschen, die noch Mitten in Berufsleben standen.

Auch wenn die Zahlen sinken, steht das Gesundheitspersonal unter Dauerbelastung. Und das werde noch in den nächsten Monaten so bleiben. Eine Lösung seien die Impfungen. Es gelte jetzt die Monate bis dahin zu überbrücken.

Bernd Lamprecht, Vorstand der Klinik für Lungenheilkunde des Kepler Universitätsklinikums, berichtete von der Situation in Linz. Man habe eigentlich “keinen Spielraum” mehr, um steigende Infektionszahlen aufzufangen. “Daher müssen wir durch unser Handeln vorsichtig vorzugehen”, sagt der Mediziner.

Ähnlliches berichtete auch Pflegedirektorin  Sabine Pammer “Die Belastung ist bereits eine Dauerbelastung”, betont Pammer  – auch psychisch. Sie spricht auch einen besonders tragischen Fall an: In der vergangenen Woche hätten die Mitarbeiter eine Kollegin begleiten müssen, die selbst an Covid erkrankt und dann verstorben sei.

Herwig Ostermann, Geschäftsführer der Gesundheit Österreich,  gab einen Überblick und Prognose auf Kapazitäten. Die Zahl der Neuinfektionen diese Woche sei höher als prognostiziert –  auch durch die Massentests.

Was bedeutet das für die Krankenhausbetten? Im Schnitt seien derzeit etwa 2350 Personen in den Normalstationen, mittlerweile sei man etwas darüber. Die Erklärung dafür sei, dass Patientinnen und Patienten nach dem Aufenthalt in der Intensivstation noch einmal für längere Zeit in die Normalstation müssen.

Die Prognose: Rund 2.100 Fälle pro Tag, etwa 1.700 am Ende der Prognoseperiode nächste Woche seien der Stand, von dem man ausgehe. Ostermann weist darauf hin: Die Zahl der Neuinfektionen derzeit sei so, wie sie Mitte Oktober gewesen sei – also sehr hoch. Auffällig: Ein Abstieg, wie er sich bei den Infektionen zeigen würde, sei noch nicht zu sehen Eine dritte Welle würde man von den Kapazitäten nur schwer verkraften. “Es liegt letztlich an uns”, so Ostermann zum Abschluss.

Gefahr dritter Lockdown?

Anschober betont: Man habe immer noch strengere Maßnahmen, als man in Deutschland habe. Das Infektionsgeschehen habe man ständig im Blick. Sollte sich eine Bewegung nach oben geben, werde man eingreifen. “Derzeit haben wir keinen Ansatz in diese Richtung”, sagt Anschober.

Nächste Woche werde man Rahmenbedingungen für die Feiertage genau verankern und präsentieren. Laut Markstaller gehe diese Diskussion an dem eigentlichen Problem vorbei. Österreich habe die Intervention, die die deutsche Leopoldina fordert, bereits gehabt. Lamprecht aus Linz spricht von einem “günstigen” Trend. Allerdings müsse man bei einer Trendumkehr sofort reagieren

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