Anschober zu russischem Impfstoff: Qualität und Sicherheit gehen vor

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Anschober zu russischem Impfstoff: Qualität und Sicherheit gehen vor

Die Regelungen zur Erprobung von Impfstoffenmüssen auch beim Coronavirus zu 100 Prozent eingehalten werden. Das hat Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) am Mittwoch hinsichtlich der Zulassung einer russischen Vakzine betont. “Für die EU und damit für Österreich kommt ein nicht ausreichend erprobter Impfstoff nicht in Frage”, versicherte er in einer Aussendung.

“Qualität und Sicherheit” gehen demnach vor. Anträge auf Zulassungen für Coronavirus-Impfstoffe können derzeit bei der europäischen Arzneimittelbehörde EMA beschleunigt abgewickelt werden. Das bedeutet nicht, dass dabei weniger Daten zur Sicherheit und Wirksamkeit der Impfstoffe vorgelegt werden müssen als bei anderen Zulassungsverfahren, hieß es in der Aussendung des Gesundheitsministeriums. Manche Studien, die normalerweise nacheinander durchgeführt werden, können jedoch damit auch parallel angelegt werden. Anschober ist zuversichtlich, dass 2021 einer oder mehrere umfassend getestete, sichere, wirksame und zugelassene Impfstoffe vorliegen.Innerhalb der EU werden die reservierten Liefermengen nach Bevölkerungsanteil aufgesplittet. “Österreichs Ziel ist dabei, eine Impfung für alle zu ermöglichen, die sich impfen lassen möchten. Ich hoffe sehr, dass wir dieses Ziel ehestmöglich erreichen. Derzeit arbeiten wir an der Impfstrategie, um Vorgangsweise, Vorrang und Logistik für diese Schlüsselphase im Kampf gegen Covid-19 gut vorzubereiten”, berichtete Anschober.

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Die Regierung hat am Mittwoch nach dem Ministerrat weitere Lockerungen der Coronamaßnahmen bekanntgeben. So ist ab 1. Juli wieder jeder Sport sowohl Indoor als auch Outdoor erlaubt, also auch Kontakt- und Mannschaftssport. Die Sperrstunde für Veranstaltungen bis 100 Personen und die Maskenpflicht für Kellner fällt. Zudem wurde eine Reisewarnung der Stufe fünf für Nordrhein-Westfalen ausgesprochen. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) bat darum, “die Maske bitte nicht wegzuwerfen, wir werden sie noch brauchen”. Vor allem im Spätherbst könne es wieder eine “schwierige Situation” geben, sagte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne). Und Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) forderte dazu auf, mit den Lockerungsschritten “sorgsam umzugehen”. Das Motto “genießen und aufpassen” solle beherzigt werden. Ab September werden unter bestimmten Voraussetzungen Events im Freien mit bis zu 10.000 und drinnen mit bis zu 5.000 Teilnehmern erlaubt – das betrifft den Sportbereich ebenso wie die Kultur. Somit sind Besucher in Stadien und bei Konzerten auch wieder erlaubt. Allerdings muss es für diese zugewiesene Sitzplätze geben, auch müssen Abstandsregeln eingehalten werden. Dazu wird laut Anschober auf “freiwilliges Tracking” gesetzt. Die Namen der besuchenden Personen sollen erfasst werden – “freiwillig im Rahmen des Datenschutzes”, sagte der Minister. Das “festhalten von Kontaktdaten auf freiwilliger Ebene” soll auch für alle Veranstaltungen mit mehr als 100 Besuchern realisiert werden, sagte Anschober. Er kündigte für die kommende Woche ein “umfassendes neues Testprogramm mit großem Screening” an. Umfangreich fallen die Lockerungen im Sportbereich aus. Hier wird bereits nächste Woche sowohl im Innen- als auch im Außenbereich wieder alles erlaubt. Allerdings müssen Anwesenheitslisten geführt werden, sagte Vizekanzler und Sportminister Werner Kogler (Grüne). In der Gastronomie darf ab Juli früher aufgesperrt werden – um 5.00 statt wie bisher um 6.00 Uhr, sagte Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP). Die Sperrstunde für geschlossene Veranstaltungen bis zu 100 Personen – also beispielsweise für Hochzeitsfeiern – fällt. Auch wenn die Zahl der Neuinfektionen in Österreich stabil ist – laut Anschober sind derzeit 474 Personen aktiv erkrankt – zeigen internationale Entwicklungen, dass das nicht überall der Fall ist, meinte Kurz. “Das Virus ist nicht verschwunden. Wir müssen auch in Österreich bei niedrigen Ansteckungszahlen weiter wachsam sein”, forderte er. Vor allem der massive Corona-Ausbruch beim deutschen Fleischverarbeiter Tönnies in Nordrhein-Westfalen habe gezeigt, “wie schnell es zu weiteren dramatischen Situationen kommen kann”, sagte der Bundeskanzler. Daher wurde die partielle Reisewarnung der Stufe fünf für das deutsche Bundesland verhängt.

Regiering verkündet Lockerungen im Sport- und Gastrobereich

In Oberösterreich gilt ab Donnerstag im öffentlichen Raum wieder Maskenpflicht. Das hat LH Thomas Stelzer (ÖVP) am Dienstag bekanntgegeben. In den Amtsgebäuden gilt das ohnehin bereits seit Dienstag. In Geschäften, Einkaufszentren und Dienstleistungsbetrieben ist von Kunden wie Beschäftigten Mund-Nasen-Schutz zu tragen und der Sicherheitsabstand zu wahren. In der Gastronomie müssen Gäste wieder am Weg vom und zum Tisch Maske tragen. Am Tisch, wo bis zu zehn Personen sitzen dürfen, ist das nicht obligatorisch. Das Personal muss ebenfalls Mund-Nasen-Schutz anlegen. Im Freien soll man den Sicherheitsabstand einhalten. Wo das nicht möglich ist, muss ebenfalls eine Maske verwendet werden. Österreichweit bezeichnet Simulationsexperte Niki Popper die nächsten Wochen als “entscheidend” für den weiteren Verlauf der Corona-Epidemie. Die große Frage sei, wie gut und schnell Testen, Tracing und Containment – also bei einem positiven Testergebnis die Isolierung des Umfelds in sehr kurzer Zeit – funktioniere. “Wenn wir die lokalen Wiederanstiege nicht in den Griff bekommen, ist es nicht unwahrscheinlich, schon im Sommer ein Problem mit steigenden Fallzahlen zu bekommen.” Sorgen bereiten den Simulationsexperten von der Technischen Universität (TU) Wien lokale Herde wie in Salzburg oder Oberösterreich. Bereits Anfang Juni haben die Mathematiker zwar berechnet, dass man viele solcher Herde gut im Griff behalten kann, vorausgesetzt das Testen, das Tracing und die Isolierung funktionieren schnell und effektiv. “Dass Fälle wie in Oberösterreich gefunden werden, ist nicht negativ, sondern zeigt, dass getestet wird. Wir werden uns an solche Cluster gewöhnen müssen. Was wir aber nicht wissen ist, wie schnell und wie konsequent das Containment regional in den Bundesländern funktioniert, wir haben keine genauen Aufzeichnungen darüber”, so Popper. Ein täglicher Anstieg an Neuinfektionen im knapp dreistelligen Bereich sei grundsätzlich nicht so drastisch zu sehen. Wenn das so bliebe, würde es beweisen, dass das Containment funktioniere. Es stelle sich nun aber “die Frage, ob sich das Wachstum weiter beschleunigt”. Ob man das jetzt “Zweite Welle” nenne oder wie die WHO als “Wiederaufflackern” sei sekundär. In ihren neuesten Simulationsmodellen haben sich die Wissenschafter dem Thema “Superspreader” – also einzelne Personen, die eine große Zahl anderer Personen anstecken – gewidmet und positive Aspekte gesehen. “Der sogenannte Dispersionsfaktor ist bei Covid-19 laut aktuellen Studien niedrig. Das bedeutet, dass wenige Personen sehr viele anstecken und bisher ging man oft davon aus, dass das negativ ist”, sagte Popper. Die Modelle würden nun zeigen, dass das eigentlich ganz praktisch sei, weil Tracen und Containment bei Superspreadern sehr gut funktioniere. “Wenn man wirklich gutes Containment macht, kann die Ausbreitung in fast 90 Prozent der Simulationsdurchläufe abgestoppt werden”, so Popper. Dagegen funktioniere das bei einer Infektion, wo jeder Infizierte gleich viele Personen ansteckt, im Modell nur bei weniger als 30 Prozent der Fälle. “Das Virus hat die nette Eigenschaft, dass das Containment sehr gut funktioniert. Aber man muss es – so die Simulationsergebnisse – halt gut machen”, sagte der Experte. Entscheidend seien schnelle Tests und die Nachverfolgung von Kontakten sowie das konsequente Containment. Das funktioniert solange die Zahlen nicht zu hoch ansteigen und ist davon abhängig wie viele Ressourcen für das Tracing zur Verfügung stehen. Abgesehen von den Clustern sehe man, dass die Leute mittlerweile viel mehr Kontakte im Freizeitbereich haben als noch vor einigen Wochen, als diese Kontakte noch um die Hälfte reduziert waren. “Da muss man etwas tun und schauen, dass Hygiene und Abstand wieder eingehalten werden und die Leute mittun”, empfiehlt Popper. Es gebe mittlerweile besseres Wissen darüber, welche Maßnahmen wirken und weniger Schäden verursachen als andere. “Deshalb sollte man bereits klar festlegen, was passiert, wenn die Zahlen weiter steigen, also ob und wo wieder Maskenpflicht kommt, welche Veranstaltungen wieder ausgenommen werden usw., und es wäre gut die Leute frühzeitig darüber zu informieren.”

Wieder Maskenpflicht in Oberösterreich

Dr. Adrian Kamper (Abteilungsleitung Psychosomatik für Kinder und Jugendliche Klinikum Wels-Grieskirchen) im Talk.

In Oberösterreich ist die Zahl der an Covid-19 Erkrankten seit Montag wieder im dreistelligen Bereich, 131 waren es mit Stand 12.00 Uhr. Der Krisenstab führte das einerseits auf 40 Personen im Cluster der “Freien Christengemeinde” in Linz zurück, die aber auch in anderen Bezirken wohnen. Andererseits trugen neue Fälle an Schulen und vermehrte soziale Kontakte und Reisetätigkeit zum Anstieg bei. Am 4. Juni waren lediglich 17 Covid-19-Erkrankte im Bundesland verzeichnet, dreieinhalb Wochen später sind es wieder fast achtmal so viele Fälle. Betreffend der Lockerungen und Beschränkungen gelte es in erster Linie die Vorgaben des Bundes zu beachten, hieß es. Der Krisenstab des Landes stehe in engem Kontakt mit den Bundesbehörden. Die Lage werde genau beobachtet. Fall in Seniorenheim Insgesamt wurden sieben Schülerinnen und Schüler – darunter zwei mal zwei Geschwister – positiv getestet. Die Kinder besuchen die Neue Mittelschule (NMS) Haid, die Volksschule (VS) Traun, das Gymnasium der Franziskusschwestern in Wels sowie die VS und NMS Hellmonsödt. In diesen Schulen laufe das Kontaktpersonenmanagement, Testungen und Absonderungen wurden eingeleitet. In einem Seniorenheim im Bezirk Freistadt ist eine Bewohnerin, in einer Einrichtung im Bezirk Grieskirchen eine Mitarbeiterin erkrankt. Insgesamt waren am Montag, Stand 12.00 Uhr, 774 Menschen in Quarantäne, 15 Covid-19-Erkrankte wurden im Spital behandelt. Die meisten Fälle waren in Linz (38) und im Bezirk Linz-Land (40) gemeldet, keine Coronavirus-Patienten gab es den vier Bezirken Braunau, Ried, Rohrbach und Kirchberg.

Neuinfektionen in Oberösterreich wieder über 100

Der Kreml hat die Weltgesundheitsorganisation WHO gegen die Kritik von US-Präsident Donald Trump verteidigt. “Sie tut jetzt viel, um die Pandemie einzudämmen”, sagte Sprecher Dmitri Peskow im Staatsfernsehen der Agentur Tass zufolge. Trump hatte gesagt, die WHO habe es in der Corona-Krise “wirklich vermasselt”. Sie sei unter anderem zu sehr auf China ausgerichtet. Der US-Präsident drohte der in Genf ansässigen wichtigsten Sonderorganisation der Vereinten Nationen im Gesundheitsbereich mit einem Stopp von Beitragszahlungen. Peskow sagte, sollte es wirklich soweit kommen, hoffe er, dass die WHO dadurch nicht geschwächt werde. Die Beziehungen zwischen Moskau und Washington sind seit Jahren wegen einer Vielzahl internationaler Konflikte angespannt. Trotzdem seien die Präsidenten beider Länder in der Lage, einen konstruktiven Dialog zu führen, meinte der Sprecher von Kremlchef Wladimir Putin. “Die Beziehungen sind schlecht, aber die Präsidenten reden miteinander.”

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Dr. Andreas Rabl (Bürgermeister Wels) im Gespräch.