Anti-Doping: Beispielloser Streit zwischen USA und WADA

Merken
Anti-Doping: Beispielloser Streit zwischen USA und WADA

Die Retourkutsche der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) auf die Drohung der USA, aus der Finanzierung der WADA auszusteigen, ist genauso beispiellos wie die Attacke aus Washington. “Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass die US-Regierung eine wichtige Rolle beim Schutz des sauberen Sports zu spielen hat”, schrieb WADA-Präsident Witold Banka in einem Brief.

Dieser ist die Antwort auf einen Bericht des Büros für nationale Drogenkontrollpolitik des Weißen Hauses (ONDCP). “Ich hoffe aufrichtig, dass wir in Zukunft zusammenarbeiten können, anstatt dass die WADA sich gegen unbegründete Angriffe verteidigen muss”, erklärte Banka. Das ONDCP hatte in dem Report die Struktur und Führung der WADA hart kritisiert und infrage gestellt, ob sie weiterhin mit jährlich 2,7 Millionen Dollar (2,39 Millionen Euro) unterstützt werden sollte. Der US-Betrag solle gekürzt oder gestrichen werden, wenn die WADA keine Reformen vornehme.

Die ONDCP habe der WADA nur drei Tage bis zur Veröffentlichung des Berichts Zeit gegeben, Stellung zu beziehen – ohne dass diese dem Kongress auch mitübermittelt wurden. “Als wir dies in gutem Glauben taten, verzichteten Sie darauf, unsere Klarstellungen aufzunehmen”, schrieb Banka und betonte: “Wie das Sprichwort sagt: ‘Warum sollte die Wahrheit einer guten Geschichte im Wege stehen?'”

Die Reformen der WADA in den letzten drei Jahren seien umfassend gewesen und hätten die Bereitschaft der Agentur zur Anpassung gezeigt. “Dennoch erwähnt der Bericht diese Fortschritte nicht”, kritisierte Banka. Für die WADA enthalte der Report “Ungenauigkeiten, Missverständnisse und Unwahrheiten, die zu unnötigen Missverständnissen führen”. Es sei sehr bedauerlich, dass der Bericht “mit der klaren Absicht verfasst wurde, die WADA zu diskreditieren”.

So behaupten die USA, größter Beitragszahler (dies ist Kanada mit 2,861 Millionen Euro pro Jahr) und in den Gremien der Agentur unterrepräsentiert zu sein (kein anderes Land hat mehr als die elf US-Repräsentanten). Auch gegen den Vorwurf des Missmanagements im russischen Doping-Skandal setzt sich die WADA zur Wehr – hat dabei aber die schwächsten Argumente.

Am Ende seines Briefes gibt WADA-Chef Banka den Amerikanern noch eine süffisante Empfehlung. “Ein offensichtlicher Weg für die US-Regierung, mehr zum Kampf gegen Doping im Sport beizutragen, könnte in verstärkten Anstrengungen zum Schutz junger Amerikaner liegen, die Sport in einem Umfeld treiben, in dem die Regeln hinter denen der WADA zurückbleiben”, betonte der Pole. “Ich kann Ihnen versichern, dass die Agentur bei einem solchen Unterfangen gerne mit den USA zusammenarbeiten würde.”

Unterstützung findet der Bericht dagegen beim Chef der US-Anti-Doping-Agentur (USADA). “Ich denke, es ist eine vernichtende, aber zutreffende Anklage gegen die Führung der WADA und ihr Versagen in ihrer Rolle, sauberen Athleten zu dienen”, sagte Travis Tygart. “Hoffen wir, dass dies der letzte Weckruf an das IOC und die WADA ist, diese Probleme zu lösen, bevor es zu spät ist.”

Teilen auf:
Kommentare:

Es sind noch keine Kommentare abgegeben worden.

Schreibe einen Kommentar

Auch Interessant

Österreich könnte doch etwas besser durch die Krise gekommen, als bisher erwartet. Das zeigen die Zahlen der Nationalbank. Sie geht inzwischen von einem Einbruch von „nur“ sechs Prozent aus. Ein zentraler Baustein für die Erholung sind Investitionen durch Unternehmen. Hier will die Regierung ab September neue Anreize bieten. Konkret wird es eine Investitionsprämie von sieben Prozent geben. Bei Investitionen in den Bereichen Digitalisierung, Ökologisierung, Gesundheit und Life- Science wird diese auf 14 Prozent verdoppelt. Investitionen zwischen 5000 Euro und 50 Millionen Euro sind förderberechtigt. Das Volumen der Investitionsprämie beträgt eine Milliarde Euro. Keine klimaschädlichen Investitionen Explizit ausgenommen sind hingegen klimaschädliche Neuinvestitionen, unbebaute Grundstücke, Finanzanlagen und Firmenübernahmen. Auch der reine Kauf von bereits bestehenden Geschäftslokalen wird nicht gefördert. Für Geschäftslokale, die von einem Bauträger neu errichtet werden, gibt es hingegen sehr wohl eine Prämie. Zwischen 1. September 2020 und 28. Februar 2021 kann die Prämie beim aws beantragt werden. Der Investitionszeitraum muss zwischen 1. August 2020 und 28. Februar 2022 liegen. Berechtigt sind nicht nur große Unternehmen, sondern auch kleine Gewerbetreibende und Selbstständige außerhalb der Wirtschaftskammer. „Die Unterstützung bei Investitionen wirkt unmittelbar und schafft heimische Arbeitsplätze“, erklärt Wirtschaftsministerin Margarethe Schramböck. 

Eine Milliarde Euro für frische Investitionen

Die erste Auslandsreise von Bundespräsident Alexander Van der Bellen seit dem Corona-bedingten Lockdown in die Slowakei muss wegen eines Verdachtsfalls verschoben werden. Am Mittwoch in der Früh wurde ein Coronavirus-Verdacht in der slowakischen Präsidentschaftskanzlei gemeldet. Die slowakische Präsidentin Zuzana Čaputová begab sich deswegen in Heimquarantäne. Einer der Mitarbeiter der slowakischen Präsidentin kam mit einer Person in Kontakt, die positiv auf Covid-19 getestet wurde. Die slowakische Präsidentin sagte daher ihr gesamtes geplantes Programm bis einschließlich Freitag ab und begab sich bis dahin vorsorglich in Quarantäne, teilte die Präsidentschaftskanzlei der APA mit. Der slowakische Gesundheitsminister Marek Krajčí erklärte, dass Čaputová im Laufe des Tages auf das neue Coronavirus getestet werde. Epidemiologen hätten alle Vorkehrungen getroffen. “Die Frau Präsidentin und das Team, mit dem sie im Präsidentenpalast zusammenarbeitet, ist in präventiver Quarantäne”, sagte der Minister laut slowakischer Nachrichtenagentur TASR. Außer dem Treffen mit Van der Bellen verschob Čaputová auch ein geplantes Gespräch mit dem tschechischen Senatspräsidenten MiloÅ¡ Vystrčil und einen Besuch in der Zentralslowakei. Wann der Besuch Van der Bellens nachgeholt wird, war vorerst nicht bekannt. Die Präsidentin werde aber den Bundespräsidenten am Mittwoch telefonisch kontaktieren und dabei auch ihr Bedauern über die leider notwendige Verschiebung ausdrücken, hieß es aus der Präsidentschaftskanzlei. Die beiden Staatsoberhäupter hatten ein ausführliches Vier-Augen-Gespräch in Čaputovás Heimatort Pezinok geplant. Dabei hätte es um die europäische Zusammenarbeit im Gefolge der Coronakrise, den wirtschaftlichen Neustart und die Bewältigung der Klimakrise gehen sollen. Die Slowakei (Einwohner: 5,5 Mio.) ist an sich vom Coronavirus im Vergleich zu anderen Ländern wenig getroffen worden. Kein führender slowakischer Politiker erkrankte bisher an Covid-19. Insgesamt wurden 1.589 Infektionen registriert. 28 Menschen starben und 113 Personen sind aktuell erkrankt. Zum Vergleich: in Österreich sind es laut Gesundheitsministerium 17.359 bestätigte Fälle, 474 aktive und 693 gemeldete Todesfälle. Die Slowakei hatte sehr früh Restriktionen eingeführt: Schulen wurden geschlossen, drei Tage nachdem die erste Infektion bestätigt wurde. Auch die Grenzen wurden früh zugemacht. Zuletzt wurden die Maßnahmen aber wieder gelockert: Die Grenze zwischen Österreich und der Slowakei wurde am 5. Juni geöffnet, damit waren keinerlei Auflagen wie Heimquarantäne oder Covid-Test mehr erforderlich. Auch in andere Länder konnten die Slowaken dann wieder reisen. Den Slowaken war es seit dem Wochenende wieder erlaubt, am Sonntag einkaufen zu gehen und Sportveranstaltungen mit mehr als 1.000 Zuschauern zu besuchen. In Innenräumen blieb aber die Maskenpflicht aufrecht. Van der Bellen hatte die slowakische Präsidentin, die seit Juni 2019 im Amt ist, Ende August des Vorjahres zu einem ersten bilateralen Gespräch getroffen. Er bezeichnete Čaputová damals als “Mitstreiterin gegen die Klimakrise”. Die ehemalige Bürgeranwältin und Umweltaktivistin, damals Vizechefin der außerparlamentarischen linksliberalen Partei “Progressive Slowakei”, ist die erste weibliche Staatspräsidentin der Slowakei.

Erster Auslandsbesuch von Van der Bellen verschoben

Ein 55-jähriger Alkolenker ist in der Nacht auf Samstag in Feldkirchen bei Mattighofen im Bezirk Braunau am Inn mit seinem Wagen in eine Hauseinfahrt gekracht. Der Mann konnte sich mithilfe der dazugekommenen Anrainer aus dem schwerbeschädigten Fahrzeug durch die Windschutzscheibe befreien und wurde verletzt ins Spital gebracht. Er hatte 2,34 Promille Alkohol im Blut, berichtete die Polizei. Der stark alkoholisierte Fahrer kam mit seinem Auto in einer Rechtskurve links von der Fahrbahn ab und prallte mit dem Pkw gegen eine Leitschiene. Der Wagen hob in Folge in Richtung des Einfamilienhauses ab, verfehlte nur knapp zwei geparkte Fahrzeuge und kam schwerbeschädigt auf der linken Fahrzeugseite in der Hauseinfahrt zum Liegen.

Alkolenker krachte in OÖ mit Wagen in Hauseinfahrt