Corona: "Jetzt landen immer mehr Jüngere auf den Intensivstationen"

Merken
Corona: "Jetzt landen immer mehr Jüngere auf den Intensivstationen"

Innerhalb der letzten 24 Stunden wurden 3515 Neuinfektionen in Österreich verzeichnet. Nach der konstituierenden Sitzung des neuen Obersten Sanitätsrats informierten heute Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) und Katharina Reich (Direktorin für die Öffentliche Gesundheit im Gesundheitsministerium).

Anschober betonte: Das Wiederansteigen der Infektionszahlen bereite ihm Sorgen. “Es ist noch nicht exponentiell, aber linear, Tag für Tag um 400 bis 500 Neuinfektionen mehr.” Der Gesundheitsminister betonte: “Ganz Europa ist in der dritten Welle, wir auch.”

Ausgerechnet in dem Jahr, in dem der Oberste Sanitätsrat (OSR) der Republik sein 150-jähriges Bestehen feiern hätte können, im Jahr 2020, gab es ihn formal gar nicht mehr. Denn das gesetzlich verankerte, unabhängige Beratungsgremium des Gesundheitsministers für Fragen im Bereich der öffentlichen Gesundheit wurde nach Ablauf der dreijährigen Funktionsperiode nicht neu bestellt – und das ausgerechnet während der wohl größten Gesundheitskrise, in die das Coronavirus Österreich und die ganze Welt gestürzt hat.

Katharina Reich betonte, sie sei noch keine 100 Tage im Amt. Die Wiederkonstituierung des Obersten Sanitätsrates noch vor Ablauf dieser ersten Phase sei ein wichtiger Meilenstein für sie. Sie freue sich vor allem darüber, dass auch die pflegenden Angehörigen und Vertreter der Plattform Patientensicherheit im Obersten Sanitätsrat vertreten seien.

Der OSR wurde 1870 gegründet, “um zur Bekämpfung von Epidemien die fachliche Beratung sicherzustellen”, schrieben im Herbst 2020 Public-Health-Experten der Med-Uni Wien in einem Brief an Gesundheitsminister Rudolf Anschober. Die im Herbst 2019 anstehende Wiederernennung sei unterblieben: Damals war die Beamtenregierung im Amt, die bewusst keine personellen Fakten schaffen wollte.

Der letzte Oberste Sanitätsrat hatte sich am 24. Juni 2017 konstituiert, damals war Pamela Rendi-Wagner (SPÖ) Gesundheitsministerin. Das Gremium berät den Gesundheitsminister bei grundsätzlichen medizinischen Fragestellungen und gibt Empfehlungen ab.  Zu seinem Präsidenten wurde Markus Müller gewählt, Leiter der Universitätsklinik für Klinische Pharmakologie der MedUni Wien im AKH Wien, der auch im seinerzeitigen Gremium den Vorsitz hatte.

Insbesondere in Ostösterreich dramatisiere sich die Lage. Das britische Virus sei dort bereits in 80 bis 93 Prozent der Fälle nachweisbar. Und diese Mutante sei “dynamischer, aggressiver und verursacht mehr schwere Fälle”. Die intensivmedizinischen Abteilungen in Ostösterreich näherten sich bereits der Belastungsgrenze, ähnlich wie im Herbst. Man werde regional gegensteuern.Am Montag würden die neuen Maßnahmen kommuniziert.

Es gebe auch eine spürbare Veränderung in der Altersstruktur: Immer jüngere Menschen landeten auf Intensivstationen. Der oberösterreichische FPÖ-Chef Manfred Haimbuchner, 42 Jahre alt, sei ein aktuelles Beispiel.

Wie geht es weiter mit AstraZeneca?

Nach der Empfehlung der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) gehe es mit den Impfungen voll weiter, Österreich liege im internationalen Vergleich gut. 1,2 Millionen Impfungen seien bereits durchgeführt, 11,5 Prozent der in Frage kommenden Bevölkerung über 18 seien bereits mindestens einmal geimpft.

Der AstraZeneca-Impfstoff sei sicher und wirksam, das Verhältnis des Risikos zum Nutzen eindeutig, aber auf das “Signal in einem Teilbereich” müsse man in den Beratungen und bei den Impfungen verstärkt hinweisen. Folgende Empfehlungen formulierten Anschober und Reich:

  • Betroffen vom dieser “sehr seltenen Gerinnungsstörung” (das Risiko betrage 1 zu 100.000) seien vor allem Frauen unter 55. Eine genetische Disposition im Zusammenhang mit komplexen Immunreaktionen führe in diesen Fällen zu Thrombosen.
  • Diese sollten sich, wenn sie Sogen haben, vor der Impfung an ihren Vertrauensarzt wenden, um das Risiko abzuklären.
  • Es gebe keine Hinweise auf vermehrte Probleme bei bestimmten Chargen oder in Bezug auf bestimmte Herstellungszeitpunkte.
  • Vom vorbeugenden Einsatz gerinnungshemmender oder aktivierender Medikamente wird abgeraten, die bestehende Medikation soll in jedem Fall beibehalten werden.
  • Nach der Impfung soll man sich selbst beobachten und bei Auffälligkeiten, die über die üblichen Impfreaktionen (leichtes Fieber, Müdigkeiten, Gliederschmerzen) hinausgehen, den Arzt konsultieren.
  • Es sei sichergestellt, dass sofort ein Blutbild gemacht werden könne, wenn aufgrund der Selbstbeobachtung entsprechende Sorge besteht.
  • Impfschäden würden direkt vom Gesundheitsministerium “abgewickelt”, allfällige Entschädigungen seien sichergestellt, antwortete Anschober auf eine entsprechende Frage.

In den Altersheimen wirke die Impfung bereits, die Zahl der Todesfälle sei massiv zurückgegangen, über eine Lockerung der Besuchsregelungen werde gerade nachgedacht. “Kontrollierte Besuche” sollen wieder möglich sein.

Teilen auf:
Kommentare:

Es sind noch keine Kommentare abgegeben worden.

Schreibe einen Kommentar

Auch Interessant

Momentan sind in Wels 145 Personen COVID-19-positiv, das sind 2,32 Fälle in Promille zur Gesamtbevölkerung. Seit Beginn der Corona-Pandemie im heurigen Frühjahr wurden insgesamt 2.941 Personen positiv in Wels getestet (Quelle: Land Oberösterreich, Montag, 21. Dezember 08:00 Uhr). Durch den von der Bundesregierung ab Samstag, 26. Dezember verhängten dritten Lockdown müssen auch in Wels wieder mehrere städtische Einrichtungen geschlossen werden. Dies betrifft sowohl die Stadtmuseen Minoriten (Minoritengasse 4) und Burg (Burggasse 13) als auch das Stadtarchiv (Maria-Theresia-Straße 33). Baurechtsanfragen werden in dieser Zeit unter Tel. +43 7242 235 7050 oder 7680 bearbeitet. Geschlossen bleiben müssen die Stadtbücherei (Maria-Theresia-Straße 33)  und der Welser Tiergarten(Stadtpark 1). Wels bietet kostenlose Antigentests an Die vom Land Oberösterreich an fünf Standorten angebotenen kostenlosen Antigentests waren innerhalb kürzester Zeit landesweit ausgebucht. Daher beschloss der Welser Krisenstab, der Bevölkerung ab Dienstag, 22. Dezember eine kostenlose COVID-19-Testmöglichkeit auf drei Teststraßen in der Welser Messehalle 20 anzubieten. Sobald die Anmeldemöglichkeit vom Land OÖ freigeschaltet wurde, können sich Bürger über die Webseite www.oesterreich-testet.at für einen Test-Termin zwischen Dienstag, 22. und Freitag, 25. Dezember anmelden. Die Antigentests (Nasen-Abstrich) in der Messehalle 20 werden vom Roten Kreuz mit Unterstützung der Stadt Wels und der Freiwilligen Feuerwehr Wels zu folgenden Zeiten durchgeführt: Dienstag, 22. Dezember:             08:00 bis 16:00 Uhr Mittwoch, 23. Dezember:            08:00 bis 16:00 Uhr Donnerstag, 24. Dezember:        08:00 bis 13:00 Uhr Freitag, 25. Dezember:                08:00 bis 16:00 Uhr Nach Durchführung des Nasen-Abstrichs steht ein Wartebereich zur Verfügung, um das Testergebnis (innerhalb von 15 bis 20 Minuten) zu erfahren. Bürger, die vor Ort warten, erhalten einen Ausdruck mit dem Testergebnis, alle anderen Bürger erhalten das Ergebnis per SMS oder E-Mail. Besuchsregelung in den Alten- und Pflegeheimen Aufgrund der Bundes- und Landesvorgaben müssen Bürger, die ihre Angehörigen im Alten- und Pflegeheim besuchen möchten, nun verpflichtend einen negativen Antigentest, dessen Abnahme nicht mehr als 24 Stunden zurückliegen darf, vorweisen. Darüber hinaus muss während des gesamten Besuchs eine FFP2-Maske getragen werden. Für die vier städtischen Häuser der Seniorenbetreuung bedeutet dies folgendes: Bürger, die ihre Angehörigen zwischen Dienstag, 22. und Freitag, 25. Dezember besuchen möchten, müssen dafür im jeweiligen Haus telefonisch einen Termin ausmachen. Die Terminvereinbarung ist täglich zwischen 09:00 und 12:00 Uhr möglich. Liegt bereits ein negatives Antigen-Testergebnis vor, kann direkt ein Besuchstermin ausgemacht werden. Wurde noch kein Antigentest durchgeführt, kann bei der telefonischen Anmeldung ein Testtermin beim Drive-In des Roten Kreuzes in der Albrechtstraße vereinbart werden. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, den Antigentest privat (z.B. bei den Welser Apotheken) oder in der Messehalle 20 machen zu lassen. Wels bietet wieder Einkaufsservice an Zwischen Montag, 28. Dezember und Freitag, 15. Jänner bietet die Stadt Wels wieder ein Einkaufsservice für die COVID-19-Hauptrisikogruppen an. Das Angebot richtet sich an alle Welser im Alter ab 60 Jahren, Personen in der Risikogruppe mit gesundheitlicher Beeinträchtigung sowie an Personen, die wegen COVID-19 in Quarantäne sind und im Familienkreis niemanden haben, der für sie Einkäufe erledigen kann. Betroffene Welser können Montag bis Freitag von 08:00 bis 13:00 Uhr unter der Servicenummer Tel. +43 7242 235 4400 Grundnahrungsmittel, Hygieneartikel und Arzneimittel bestellen. Die Bestellungen werden von Mitarbeitern der Stadt entgegengenommen und nach dem Kauf direkt ausgeliefert. Die Lieferung ist kostenlos, der Einkauf muss bar bezahlt werden. Bürgermeister Dr. Andreas Rabl: Bürgermeister Dr. Andreas Rabl: „Trotz meiner Kritik wurde in Wels von Seiten des Landes keine eigene Teststation eingerichtet. Die vom Land angebotenen Testkapazitäten reichen aber bei Weitem nicht aus, um den Bedarf zu decken. Die Stadt hat sich daher entschlossen, selbst Testkapazitäten bereit zu stellen. Wichtig ist  jetzt, überlegt und vorausschauend zu handeln, für die teilweise gemachte Ankündigungspolitik ohne konkrete Umsetzung ist jedenfalls kein Platz.“ Gesundheitsreferentin Vizebürgermeisterin Silvia Huber: „Ich bin froh, dass wir nun sehr kurzfristig auch in Wels Teststraßen für kostenlose Antigentests anbieten können. Da von Bundes- und Landesseite leider jegliche Strategie fehlt, müssen wieder einmal die Städte und Gemeinden rettend einspringen. Vielen Dank jedenfalls an alle Beteiligten für die kurzfristige Organisation der Testmöglichkeit in Wels.“

Corona News Wels

Ungarn hat ohne jede Vorwarnung in der Nacht die Grenzen dicht gemacht. Derzeit dürfen nur ungarische Staatsbürger von Österreich aus einreisen. Es gibt einen Mega-Stau, es hängen vor allem viele Rumänen und Bulgaren fest, die eigentlich in Deutschland oder Frankreich arbeiten und einfach nur heim wollen.

Dramatische Szenen am Grenzübergang Nickelsdorf

Der Tabakrauch eines Rauchers hat Mittwochabend indirekt einen Einsatz der Feuerwehr in einem Mehrparteienwohnhaus in Wels-Pernau ausgelöst.

Rauchentwicklung eines Rauchers führt zu Einsatz der Feuerwehr in Wels-Pernau

Polizei, Finanzpolizei und kurzzeitig auch die Feuerwehr standen am Montag bei einer Kontrolle in einem Spiellokal in Wels-Neustadt im Einsatz.

Größerer Einsatz der Finanzpolizei in einem Spiellokal in Wels-Neustadt

In Großbritanniens Krankenhäusern sind inzwischen mehr als 20.000 mit dem Coronavirus infizierte Menschen gestorben. Wie die Gesundheitsbehörden am Samstag in London mitteilten, wurden binnen 24 Stunden 813 weitere Todesfälle im Zusammenhang mit der durch das Virus ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19 gezählt. Damit verzeichnet Großbritannien offiziell nunmehr 20.319 Corona-Tote. Die britische Regierung hatte vor kurzem erklärt, die Epidemie habe in Großbritannien ihren Höhepunkt erreicht. Allerdings liegen die Zahlen von Samstag erneut höher als jene vom Vortag mit 684 Todesfällen.

Zahl der Toten in England stieg auf mehr als 20.000

Weltweit führende Textilfirmen haben bei mehr als 1.000 Fabriken in Bangladesch Aufträge über rund 1,5 Mrd. US-Dollar (1,4 Mrd. Euro) ausgesetzt oder storniert. Als Grund hätten die Firmen angegeben, dass ihre Läden wegen der Pandemie des neuartigen Coronavirus geschlossen seien, sagte die Chefin der Vereinigung der Textilproduzenten von Bangladesch, Rubana Huq, der Deutschen Presse-Agentur. Die Vereinigung warnte, dass Fabriken wegen der Stornierungen viele Arbeiterinnen nicht mehr bezahlen könnten, was zu größeren sozialen Unruhen führen könnte. “Ich bin mir sicher, dass keine deutsche Marke möchte, dass das ihretwegen passiert”, heißt es in dem Brief. Huq bat, Firmen dazu aufzurufen, ihre Bestellungen aus Bangladesch nicht zu stornieren.

Milliarden-Textil-Auftragsrückrufe treffen Bangladesch