Coronavirus-Mutation als Hiobsbotschaft vor Weihnachten

Merken
Coronavirus-Mutation als Hiobsbotschaft vor Weihnachten

Kaum hat die Zulassung von Impfstoffen gegen das neuartige Coronavirus Hoffnungen auf eine baldige Eindämmung der Pandemie geweckt, sorgt kurz vor Weihnachten eine Hiobsbotschaft aus Großbritannien europaweit für große Beunruhigung: In Teilen Englands hat sich eine Variante von SARS-CoV-2 ausgebreitet, die nach ersten Erkenntnissen bis zu 70 Prozent ansteckender ist als die bisher verbreitete Form.

Nach den Worten des britischen Gesundheitsministers Matt Hancock ist die neue Virus-Variante bereits “außer Kontrolle”. Sie bedroht somit auch andere Teile Europas. Die neue SARS-CoV-2-Variante löst daher große Besorgnis aus und wirft einige Fragen auf – etwa, wie die neue Virus-Variante entstanden ist.

Bereits rund 300.000 Mutationen

Die neue Form geht auf eine Mutation zurück. Solche Veränderungen im Erbgut von Viren sind ganz normal und vollziehen sich sehr häufig. So hat die Wissenschaft bei SARS-CoV-2 bisher bereits rund 300.000 Mutationennachgewiesen, wie der französische Gen-Forscher Axel Kahn hervorhebt. Mit dem Anstieg der Zahl der Infizierten wachse auch die Wahrscheinlichkeit und die Häufigkeit von zufälligen Mutationen des neuartigen Coronavirus.

Die nun im Fokus stehende Virus-Variante unterscheidet sich insbesondere durch eine Mutation mit dem Namen N501Y am sogenannten Spike-Protein von SARS-CoV-2. Mit dieser stachelartigen Struktur an seiner Oberfläche heftet sich das Virus an menschliche Zellen, um dann in sie einzudringen.

“Coronaviren mutieren die ganze Zeit und es ist daher nicht überraschend, dass neue Varianten von SARS-CoV-2 auftreten”, fasst der Genetik- und Virus-Experte Julian Hiscox von der Universität Liverpool zusammen. Entscheidend sei es festzustellen, “ob diese Variante Eigenschaften besitzt, die Auswirkungen auf die Gesundheit von Menschen, die Diagnostik und die Impfstoffe haben”.

Nach Angaben des Virologen Julian Tang von der britischen Universität Leicester trat die Virus-Variante mit der N501Y-Mutation sporadisch schon vor einigen Monaten auf, nämlich im April in Brasilien, im Juni und Juli in Australien und im Juli in den USA.

Derzeit verursacht die Virus-Variante in Südengland und in der britischen Hauptstadt London einen massiven Anstieg der Corona-Infektionen. Seit ihrem ersten Auftreten Mitte September in London oder der südöstlichen Grafschaft Kent habe sich diese Variante mittlerweile zur “dominanten” Form von SARS-CoV-2 entwickelt, erläuterte der oberste wissenschaftliche Berater der britischen Regierung, Patrick Vallance. Er führte den “sehr hohen Anstieg” der Krankenhaus-Einlieferungen von Covid-19-Patienten im Dezember auf diese Entwicklung zurück.

In Österreich ist die Variante nach Angaben des Gesundheitsministeriums bisher nicht aufgetaucht. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) teilte am Sonntag mit, abgesehen von den Fällen in England sei die Virus-Variante neun Mal in Dänemark sowie jeweils ein Mal in den Niederlanden und Australien festgestellt worden.

Nach Angaben von Englands oberstem Amtsarzt Chris Whitty breitet sich die neue Virus-Variante deutlich schneller aus als frühere Formen des Covid-19-Erregers. Indiz dafür sind ein sehr starker Anstieg der Infektionen und Krankenhausaufenthalte in London und Südostengland im Vergleich zu anderen Landesteilen, wie der Mediziner Paul Hunter von der Universität East-Anglia auf “Science Media Centre” erläuterte. Der Immunologe Peter Openshaw vom Londoner Imperial College sagte der Wissenschaftswebsite, die neue Variante scheine eine 40 bis 70 Prozent höhere Übertragbarkeit zu haben.

Die gute Nachricht ist laut Whitty, dass es bisher keinen Hinweis gibt, dass die neue Virus-Variante ein höheres Sterberisiko für die Infizierten bedeute. Auch weise derzeit nichts darauf hin, dass die neue Variante die Wirksamkeit von Corona-Impfstoffen oder -Therapien beeinträchtige. Die Untersuchungen zur Bestätigung dieser Einschätzung liefen allerdings noch.

Die WHO in Europa erklärte, laut vorläufigen Befunden könnte die Virus-Mutation allerdings die Genauigkeit bestimmter Diagnosemethoden beeinträchtigen. Die WHO rief die europäischen Länder daher auf, ihre Kontrollen zu verschärfen.

Teilen auf:
Kommentare:

Es sind noch keine Kommentare abgegeben worden.

Schreibe einen Kommentar

Auch Interessant

Drei Verletzte hat Montagvormittag ein schwerer Verkehrsunfall zwischen zwei Autos in Marchtrenk (Bezirk Wels-Land) gefordert.

Drei teils Schwerverletzte bei Verkehrsunfall zwischen zwei Autos in Marchtrenk

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus keinen Nutzen im allgemeinen Mundschutztragen. Es gebe keinerlei Anzeichen dafür, dass damit etwas gewonnen wäre, sagte der WHO-Nothilfedirektor Michael Ryan am Montag in Genf. Vielmehr gebe es zusätzliche Risiken, wenn Menschen die Masken falsch abnehmen und sich dabei womöglich infizieren. “Unser Rat: wir raten davon ab, Mundschutz zu tragen, wenn man nicht selbst krank ist”, sagte Ryan. Österreich hatte am Montag angekündigt, Mundschutz beim Einkaufen zur Pflicht zu machen. Die Masken sollen an den Eingängen der Läden ausgeteilt werden.

Weltgesundheitsorganisation gegen allgemeines Mundschutztragen

In den letzten 24 Stunden sank die Zahl der Neu-Infektionen wieder. Die meisten Fälle gibt es weiterhin in Wien, gefolgt von Oberösterreich, wo Wels zum Hotspot wurde. Die Neuinfektionen seit der letzten Meldung vom Montag teilen sich auf die Bundesländer Österreichs wie folgt auf: Burgenland: 2 Kärnten: 3 Niederösterreich: 22 Oberösterreich: 35 Salzburg: 16 Steiermark: 11 Tirol: 32 Vorarlberg: 3 Wien: 87 Bisher gab es in Österreich 25.706 positive Testergebnisse. Mit heutigem Stand (25. August 2020, 09:30 Uhr) sind österreichweit 733 Personen an den Folgen des Corona-Virus verstorben und 21.888 sind wieder genesen. Derzeit befinden sich 137 Personen aufgrund des Corona-Virus in krankenhäuslicher Behandlung und davon 23 der Erkrankten auf Intensivstationen.

Zahl der Neu-Infizierten geht in Österreich langsam zurück

Sie sollen helfen das Corona Virus einzudemmen und vor allem sollen sie es ermöglichen, Weihnachten mit der Familie feiern zu können. Die Rede ist von den Massentestungen. Ein ganzes Wochenende lang wurde auch in Wels in der Messehalle gestestet. Hier ein paar Eindrücke vom ersten Tag vor Ort.

Die Berliner Punkrock Band ZSK hat dem Charité-Virologen Christian Drosten einen Song gewidmet. In dem Youtube-Video mit dem Titel “Ich habe besseres zu tun” wehrt Drosten als Zeichentrickfigur nicht allein Coronaviren gekonnt ab. Der Song lobt humorvoll die erklärenden Podcasts des Wissenschafters und seine “schönen Haare”, thematisiert aber auch kritisch die Anfeindungen gegen ihn. Die Idee sei aus einer Bierlaune heraus entstanden, habe auch einen ernsten Hintergrund, sagte Sänger Joshi. Ärzte, Krankenschwestern, Pfleger und Wissenschafter auf der ganzen Welt täten seit Monaten alles menschenmögliche, um Leben zu retten. “Bei uns gehört auch Christian Drosten dazu, der seit Anfang an mit seiner ruhigen und schlauen Art über das Virus aufklärt”, ergänzte Joshi. “Wir finden es furchtbar und erschreckend, dass er dafür angefeindet wird, sogar Morddrohungen erhält.” Der Song stehe deshalb für Dank und Solidarität. Drosten wirke auf die Band cool, er sei für sie “der Punk in der Wissenschaft”. Die 1997 gegründete Band ZSK, die in ihren Texten unter anderem gegen Rechtsextremismus auftritt, löste mit dem Lied auch ein Versprechen an ihre Fans ein. Vor zwei Wochen schrieb sie auf Twitter: “1.000 Retweets und wir schreiben einen Song, wo wir @c_drosten abfeiern. Titel: “Ich habe besseres zu tun”.” Schon nach zwei Stunden sei zur Überraschung der Band der Arbeitsauftrag erteilt gewesen, berichtete Joshi.

Band feiert Virologen Drosten in Song

Am Donnerstag, 5. Dezember kommt die Feuerwehr Wels im Rahmen der Welser Weihnachtswelt zur Almdorfbühne am Stadtplatz!

Blaulichttage in Wels: Feuerwehr Wels zu Besuch am 5. Dezember