Erneuerer und ewiger Widerborst des Kinos Jean-Luc Godard wird 90

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Erneuerer und ewiger Widerborst des Kinos Jean-Luc Godard wird 90

1 Der Erneuerer des Kinos.

Ende der 1950er drehte eine Gruppe junger Franzosen das Kino auf links. Es waren Filmverrückte, die ihre Leidenschaft in der Zeitschrift „Cahiérs de Cinema“ lodern ließen, bevor sie selbst hinter die Kamera drängten. Sie hassten französische Filme, sie liebten Hollywood und änderten als „Nouvelle Vague“ die Filmgeschichte. Unter ihnen: Jean-Luc Godard. Sein Debüt 1960 war ein Erdbeben. Die Gangstergeschichte „Außer Atem“ ist voller „falscher“ Schnitte und Kameraperspektiven. Godard brach die Regeln des Kinos mit dem Furor dessen, der diese gar nicht beherrscht. Erfüllt von der Verachtung für Konventionen zeigt das Debüt die Experimentierfreudigkeit des Regisseurs.

2 Godard als geistiges Kind Amerikas.

Der 1930 als Kind einer Familie aus dem französisch-schweizerischen Großbürgertum geborene Godard ist ein Hollywood-Fan. Er betrachtet die Filme von Vincente Minnelli, Otto Preminger und Nicholas Ray mit der intellektuellen Ernsthaftigkeit, mit der man auf Werke von Shakespeare und Michelangelo schaut. Er liebt den Genrefilm, Western und Krimis. Diese Liebe zur Populärkultur hinterlässt tiefe Spuren in seinem Werk. Dort mischt er das Kunstkino mit der Ästhetik des filmischen Groschenromans – drei Jahrzehnte vor Quentin Tarantino.

3 Godard, der Europäer.

Sein Bildungshorizont und damit seine Inspirationsquelle wurzeln tief in Europa. Die Kunst der Antike, Dostojewski und Beethoven sind wesentliche Bestandteile seiner Filme. Er bricht als Linker unter dem Eindruck des Vietnamkriegs ideologisch ein für alle Mal mit den USA. Ab den späten 60ern wälzen seine Figuren maoistische Ideale und träumen von der Revolution. Godard, der Groß- und Bildungsbürger, wird zum leidenschaftlichen Antibürger.

4 Die Liebe und der Regisseur.

Man kennt das Paradox aus Hollywood: Die schönsten Frauen und die coolsten Männer der Welt können nicht gemeinsam glücklich werden. In diesem Dilemma befinden sich auch Godards Paare. Bewunderungswürdige Frauen (Jean Seberg, Anna Karina, Brigitte Bardot, Mireille Darc, Juliet Berto, Maruschka Detmers) treffen auf die Großmeister der Lässigkeit (Jean-Paul Belmondo, Michel Piccoli, Sami Frey, Johnny Hallyday), und dennoch bleibt die unerfüllte Liebe eines von Godards zentralen Themen.

5 Godard, das Großmaul.

Niemand zwängt die Faszination Kino in lässigere Aphorismen als Jean-Luc Godard. „Um einen Film zu machen, genügen eine Waffe und ein Mädchen.“ „Film ist ein Schlachtfeld. Liebe, Hass, Action. Tod. In einem Wort: Emotion“, lässt er den Kollegen Samuel Fuller in einem Film sagen. Der Held in „Der kleine Soldat“ (1960) doziert: „Fotografie, das ist die Wahrheit. Und der Film ist die Wahrheit 24 Mal in der Sekunde.“ Später empfindet er das Schwadronieren seiner Figuren als mitunter peinlichen Unsinn. Wie er überhaupt mit sich selbst hart ins Gericht geht. „Außer Atem“ bezeichnet er später als „faschistisch“.

6 Godard sagt: „Filmen und Schreiben ist das Gleiche.“

Die Nouvelle Vague ist bestimmt vom Begriff „Autor“. Regisseure werden als Autoren aufgefasst, die im Gegensatz zur industriellen Filmproduktion im Studiosystem eine eigene Handschrift haben sollen. Bei Godard verwischen die Grenzen zwischen Medien ganz, er empfindet keinen Unterschied, über Film zu schreiben oder einen Film zu machen. Seine Werke sind angefüllt mit Theorie. Immer wieder sieht man Leute beim Schreiben, unzählige Male filmt er Schriftzüge ab. Er selbst findet, dass er keine Romane schreiben kann, und betrachtet seine Filme als Romane.

7 Der verhasste Kommerz.

Godard entfernt sich immer weiter vom Publikum. Zuerst Star der Nouvelle Vague, wird sein Stil immer rätselhafter und unzugänglicher. Ab den 70ern schwindet das allgemeine Interesse an seinem Werk, das ab Mitte der 80er aus Filmessays besteht, die nur einen kleinen Kreis von Cineasten erreichen. Spätwerke wie „Bildbuch“ (2018) werden dort als Geniestreiche gefeiert. Vielleicht liegt seine Radikalität darin, dass er ein frühes Credo immer ernster nimmt. Schon zu „Elf Uhr nachts“ (1965) meint er: „Kino ist das, was zwischen den Dingen ist, und nicht die Dinge selbst, was zwischen einem selbst und einem anderen ist, zwischen dir und mir.“ Eine Absage an Dinge, Ereignisse und die Eindeutigkeit, die vielleicht verantwortlich für seine Marginalisierung ist. Aber das wäre schon Punkt 8.

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