Erste Trump-Massenkundgebung seit Beginn der Coronakrise

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Erste Trump-Massenkundgebung seit Beginn der Coronakrise

Es sollte ein fulminanter Neustart des Wahlkampfes von Donald Trump nach mehr als drei Monaten Corona-Pause werden, doch der US-Präsident hat am Wochenende bei seinem Auftritt in Tulsa längst nicht so viele Anhänger mobilisieren können wie erhofft.

Mit gewohnt scharfen Attacken gegen seinen Präsidentschaftsrivalen Joe Biden, gegen die Medien und gegen Anti-Rassismus-Demonstranten konnte der 74-Jährige zwar tausende Anhänger begeistern, die trotz der weiter steigenden Corona-Zahlen in den USA überwiegend ohne Masken in der Halle standen. Viele Plätze blieben aber leer.

Bei der ersten Großveranstaltung des Republikaners seit der Coronakrise im US-Staat Oklahoma war die für 19.000 Besucher ausgelegte Veranstaltungshalle längst nicht voll. Ein zusätzlicher Trump-Auftritt vor der Halle wurde mangels wartender Anhänger abgesagt – nachdem das Weiße Haus zuvor bis zu 100.000 Fans angekündigt hatte. Trumps Wahlkampfteam machte “radikale Demonstranten” und die Medien für den ausbleibenden Ansturm verantwortlich.

Der Präsident steht angesichts der Coronakrise und der seit Wochen andauernden Demonstrationen gegen Rassismus und Polizeigewalt in den USA unter Druck. Die USA sind mit rund 120.000 Corona-Toten und 2,25 Millionen Infektionen weltweit am stärksten von der Pandemie betroffen, rund 45,7 Millionen US-Bürger haben ihren Job verloren. Trotz aller Warnungen, dass eine Wahlkampf-Großveranstaltung die Ausbreitung des Coronavirus beschleunigen könnte, hielt Trump aber an seinem Auftritt fest.

Seine jubelnden Anhänger, die zumeist auch das Abstandsgebot nicht einhielten, begrüßte der Präsident zu Beginn seiner mehr als eineinhalbstündigen Rede als “Krieger”. Und obwohl sechs Mitglieder seines eigenen Tulsa-Teams positiv auf das Coronavirus getestet worden waren, versicherte Trump, er habe die Pandemie im Griff: “Ich habe einen fabelhaften Job gemacht”, rief er seinen Anhängern zu. Die vielen Corona-Tests in den USA hätten hohe Infektionsstatistiken zur Folge, das sei ein “zweischneidiges Schwert”. Er habe die Anweisung gegeben: “Macht langsamer bei den Tests.” Das Weißer Haus erklärte später, dies sei ein Witz gewesen.

Scharfe Attacken ritt Trump in seiner Rede wie üblich gegen Biden, seinen Rivalen bei der Präsidentschaftswahl im November. Der frühere demokratische Vizepräsident sei eine “hilflose Puppe der radikalen Linken”, der “Plünderern und Ausländern ohne gültige Papiere” mehr Rechte geben wolle als gesetzestreuen Amerikanern.

Mit Blick auf die Anti-Rassismus-Demonstrationen nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz sprach Trump erneut von “Anarchisten” und “Plünderern”. Die Gegendemonstranten, die sich in Tulsa versammelt hatten und gegen die die Polizei später auch Tränengas einsetzte, beschimpfte er als “Schlägertypen”. Insgesamt äußerte sich Trump aber kaum zu den Protesten gegen Rassismus, die das Land seit Wochen bewegen.

Stattdessen ging der Präsident auf seine Entscheidung ein, die Zahl der in Deutschland stationierten US-Soldaten von rund 35.000 auf 25.000 zu senken. Deutschland sei bei den Verteidigungsausgaben “säumig” und kaufe Gas aus Russland, obwohl die USA Deutschland vor Russland schützen sollten, kritisierte er.

Der US-Präsident, der für seine aufstachelnden Reden bekannt ist, setzte schon im Wahlkampf 2016 auf große Wahlkampfauftritte. In Umfragen liegt er derzeit klar hinter seinem Herausforderer Biden. Sein Umgang mit der Coronavirus-Pandemie und mit den Protesten nach Floyds Tod wurde viel kritisiert.

Trumps Auftritt in Tulsa stand auch aus einem weiteren Grund im Kreuzfeuer der Kritik: Die Stadt war 1921 der Ort eines der schlimmsten Massaker an Schwarzen in der jüngeren US-Geschichte, als ein weißer Mob bis zu 300 Afroamerikaner tötete.

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