Grilly kocht über

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Grilly kocht über

Aufgepasst! Am Donnerstag wird es wieder lecker auf WT1😋

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Kommentare:
  1. Manfred Mayr sagt:

    Da läuft mir schon das Wasser im Mund zusammen

  2. Johann Holzmüller sagt:

    Lecker ! Kann man da verkosten kommen ?

  3. Sophie Salhofer sagt:

    👍🏻

  4. Melanie Berthold sagt:

    Lecker 👌

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John le Carré, der mit bürgerlichem Namen David Cornwell hieß, war am besten für seine Spionageromane bekannt. Ein Welterfolg wurde etwa sein 1963 erschienener Geheimdienstromane „Der Spion, der aus der Kälte kam“. Authentizität gewannen die Bücher Le Carrés, der am 19. Oktober 1931 im englischen Poole geboren wurde, nicht zuletzt dadurch, dass er selbst einige Zeit für die britischen Nachrichtendienste MI5 und MI6 gearbeitet hatte, bevor er sich der Schriftstellerei zuwandte und hier vor allem mit der Figur des Geheimagenten George Smiley erfolgreich wurde. Einem breiten Publikum wurde John le Carré dann durch die zahlreichen Verfilmungen seiner Werke bekannt. Vorlagen wie „Dame, König, As, Spion“, „Das Rußlandhaus“ oder „Der ewige Gärtner“ wurden auch auf der Leinwand zu großen Erfolgen. Geheimnisse, Verrat und Lügen durchzogen bereits das frühe Familienumfeld des Engländers. Seine Mutter verließ die Familie, als er fünf Jahre alt war. Sein Vater war ein Hochstapler, der zwischen erschwindeltem Reichtum und dem Gefängnis pendelte. Mit ihm setzte sich le Carré in vielen Büchern auseinander, wie zum Beispiel in „Ein blendender Spion“ (1986). John le Carré studierte Germanistik in der Schweiz und arbeitete schließlich als Agent für den britischen Geheimdienst – allerdings nicht besonders erfolgreich. Währenddessen fing er an zu schreiben; mit seinem dritten Roman – „Der Spion, der aus der Kälte kam“ – schaffte er den Durchbruch. Er wurde bekannt für seine intelligenten und spannungsgeladenen Spionageromane, die sich vor allem um den Kalten Krieg drehten. Zugleich wollte Le Carré zeitlebens mehr sein als nur ein Autor von Spionageromanen. Er meldete sich immer wieder politisch zu Wort und verurteilte etwa den westlichen „Krieg gegen den Terror“. Er kritisierte Günter Grass für dessen langes Schweigen über die Waffen-SS-Mitgliedschaft und die Journalisten für ihre Oberflächlichkeit. Der Autor blieb bis ins hohe Alter anklagend, unbequem, streitlustig und streitbar. Nach dem Ende des Kalten Krieges, der lange Zeit den thematischen Hintergrund für John le Carré Werk geliefert hatte, wurde Afrika der neue Lieblingsschauplatz des Autors. Schon „Der ewige Gärtner“ spielte dort, eine tragische Geschichte des Scheiterns guter Westler vor dunklen Geschäften der Pharmakonzerne. Überhaupt hatte le Carre nach dem Ausklingen des Ost-West-Konflikts vor allem die Wunden der Welt im Blick, ob Drogenhandel, schmutzige Waffengeschäfte oder die Machenschaften der Mächtigen jeder Couleur. Insofern unterschied sich Le Carré von den meisten handelsüblichen Thrillerautoren. Er war zwar stets ein Meister der Spannung, die den Leser atemlos durch noch so lange Romane treibt, zugleich aber brillierte er mit sprachlicher Eleganz und einer Komplexität der Charaktere, auf die auch viele „ernste“ Autoren neidisch waren. Spionage, Komplotte und die ganze Geheimniskrämerei seien nur eine Kulisse, „Mobiliar“, betonte Le Carré oft selbst. In jedem seiner Bücher ging es im Kern um die Menschen im Netz der Handlung, um Liebe und Verrat. Verrat an dem Dienst, am Partner, an den eigenen Überzeugungen oder an sich selbst – John le Carré erforschte in seinen gut fünf Jahrzehnten als Schriftsteller viele Facetten und Abgründe der menschlichen Seele. Und Liebe war auch immer im Spiel – schließlich könne man nur verraten, was man liebt, sagte er einst. Die bekannteste Figur von Le Carré Universum wird wohl George Smiley bleiben, der übergewichtige, von moralischen Zweifeln zerfressene scharfsinnige Meisterspion, der ständig von seiner Frau betrogen wird. Die Trilogie aus „Dame, König, As, Spion“, „Eine Art Held“ und „Agent in eigener Sache“ (1973-79) zementierte Le Carres Weltruhm. Smiley war auch eine der populärsten Rollen von Alec Guinness. So ist John le Carré in mancher Hinsicht bemerkenswert altmodisch geblieben: Er mochte kein Telefon und schrieb seine Bücher bis zum Ende per Hand. „Wenn man in meinem Alter ist und man eine Geschichte sieht, sollte man sie lieber schnell anpacken“, sagte er bereits im formalen Rentenalter in einem Interview. Ein Spion mittleren Alters, eine diabolisch clevere Operation des russischen Geheimdienstes und eine niederträchtige Verschwörung – Fans von John le Carre kamen bei seinem jüngsten Roman „Federball“ aus dem Jahr 2019 auf ihre Kosten. Doch darüber hinaus war es auch ein überaus aktuelles Buch: Es geht nicht einfach nur um Spionage, es geht um Spionage in Zeiten von Brexit und Trump. Die Geschichte nimmt ihren Lauf, als Nat, ein britischer Geheimdienstler, der auf die 50 zugeht, nach vielen Jahren als Agentenführer unter diplomatischer Tarnung nach London zurückkehrt. Sein neuer Job in der Heimat fühlt sich an wie ein Abstellgleis. Ein Lichtblick sind Pläne, das Londoner Haus eines ukrainischen Oligarchen mit Russland-Kontakten zu verwanzen – und Nats Badminton-Spiele mit Ed, einem jungen Mann, der eines Tages scheinbar aus dem Nichts auftaucht und ihn zu einem Match herausfordert. Beim Bier nach den Spielen macht Ed keinen Hehl aus seinen politischen Ansichten: Er glaubt, dass sich Großbritannien mit dem „beschissenen Chaos“ des Brexits in uneingeschränkte Abhängigkeit von den USA begibt, und hält US-Präsident Donald Trump „für eine Bedrohung der gesamten zivilisierten Welt“. Und Ed verspürt akuten Handlungsbedarf: „Entweder ist Europa am Arsch oder jemand mit Eiern in der Hose findet ein Mittel gegen Trump“, verkündet er einmal. Das wird kein gutes Ende nehmen mit Ed, kommt dem Leser recht früh in den Sinn. „Ich kann nur sagen, ich liebe dieses Buch, was nicht immer der Fall ist“, sagte John le Carré beim Erscheinen des Romans. „Es würde mir nichts ausmachen, wenn es schlechte Kritiken bekäme. Ich habe einfach das Gefühl, dass es ein gutes Buch ist.“ Für ihn habe es die Frage aufgeworfen, was Überzeugungen in der heutigen Welt bedeuten: „Glaubt irgendjemand noch an irgendetwas?“ Zugleich ließ John le Carré schnell erkennen, wie sehr die wütenden Worte über Brexit und Trump sich mit seinen eigenen Überzeugungen decken. Er beklagte – wenn auch in etwas vornehmeren Worten als Ed im Buch – die „absolute Idiotie“ von Trumps Handeln, das noch lange nachwirken wird, egal, ob es um Außenpolitik oder die Klimakatastrophe geht. Genauso wenig hielt er vom britischen Premier Boris Johnson, der „sofort gestoppt“ werden müsse. „Er wird von denselben Impulsen wie Trump angetrieben. Er hat Narzissmus zu einer Kunstform gemacht.“ Johnson sei ein typisches Produkt der Elite-Hochschule Eton, in der Studenten nicht beigebracht werde, zu regieren, sondern nur gewinnen zu wollen. John le Carré hatte in den 1950er-Jahren einige Zeit in Eton unterrichtet. Die einzige Hoffnung sei ein Aufbegehren der Anständigen, glaubte der 88-Jährige. „Das Problem mit unserer aktuellen Situation in Großbritannien ist, dass die anständigen Menschen keine Stimme gefunden haben. Wir haben keine erkennbare Führungsfigur.“ Wenn es jetzt ein neues Referendum gäbe, deute vieles darauf hin, dass sich die Mehrheit für einen Verbleib in der Europäischen Union entscheiden würde. „Also sind es Machtspiele gegen den Willen des Volkes“, betonte der Autor, der ein überzeugter Europäer war und sich im Vorjahr einen irischen Pass besorgte – die Herkunft der Großmutter väterlicherseits machte es möglich. „Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich darüber nachgedacht, woanders zu leben.“ Le Carré hätte in einer alternativen Zeitlinie auf Nats Stelle als ausrangierter Agentenführer ankommen können. Doch der Verrat des russischen Schläfers Kim Philby, der Moskau praktisch die gesamten Interna des britischen Geheimdienstes lieferte, torpedierte seine Spionage-Karriere – zugleich konnte er sich nach dem Erfolg von „Der Spion, der aus der Kälte kam“ mit Mitte 30 als Schriftsteller unabhängig machen. Le Carre verwandelte mit der Figur des widerwilligen Meisterspions George Smiley das Genre. Nach dem Ende des Kalten Krieges prangerte er in seinen Büchern immer wieder Missstände im Westen an, wie Korruption oder Menschenrechtsverletzungen im „Krieg gegen den Terror“. In der heutigen Lage sah er die Spione von den politischen Wirren gelähmt. „Man kann keinen Geheimdienst ohne politische Führung der Regierung betreiben.“ Wenn etwa der britische Auslandsgeheimdienst MI6 zum Beispiel eindeutige Beweise für eine Verstrickung Trumps mit den Russen finden sollte – was würde damit passieren? „Die heutige Regierung will auf keinen Fall die Gunst der USA verlieren.“ Und weiter: „Würde man solches Material also an die CIA weitergeben? Oder für sich behalten?“ John le Carré. Federball, Ullstein Verlag, übersetzt von Peter Torberg, 352 Seiten, 24 Euro.

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