In zwei Wochen kommen Intensivstationen unter Druck

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In zwei Wochen kommen Intensivstationen unter Druck

Österreichs führende Prognostiker, die seit März die Regierung im Kampf gegen das Virus beraten, gehen davon aus, dass sich in den kommenden zwei Wochen die Zahl der Corona-Patienten, die in Intensivstationen eingeliefert werden, nahezu verdoppeln wird. Derzeit werden 350 Personen intensivmedizinisch betreut, um den 18. November herum dürften es rund 760 Patienten sein. Bei Normalbetten rechnen die Modellrechner mit einem Anstieg von 2000 auf 3500 Betten. Allerdings dürften die bundesweiten Kapazitätsgrenzen nicht überschritten werden. „Wir sind weit von der Obergrenze entfernt“, gibt Florian Bachner (Gesundheit Österreich) bei einem Hintergrundgespräch Entwarnung.

Experten schlugen am 20. Oktober Alarm

Einig sind sich die Modellrechner, dass der Lockdown „gerade noch rechtzeitig“ verhängt wurde. Am 20. Oktober haben die Experten des Corona-Prognosekonsortiums, darunter Niki Popper, Peter Klimek, Stefan Thurner, intern Alarm geschlagen. „Da sind die Prognosen in einen Bereich gekommen, der systemkritisch war“, enthüllt Komplexitätsforscher Klimek vom Complexity Science Hub. Hätte die Regierung nicht gegengesteuert, hätten im schlimmsten Fall 1300 Erkrankte auf der Intensivstation und 7000 auf Normalstationen betreut werden müssen. Bis zum Lockdown vergingen noch zwei Wochen.

Lockdown dürfte bald Bremswirkung zeigen

Aktuell zeigt der Trend immer noch nach oben. Am Donnerstag wurden 7414 Neuinfektionen gemeldet. Keiner der Experten will spekulieren, ob Österreich in den nächsten zwei Wochen die 10.000er-Schwelle überschreitet. „Wir gehen davon aus, dass der Lockdown eine Bremswirkung zeigt, die zeitverzögert stattfindet“, versichert Klimek. In vier bis zehn Tagen könnte sich die Kurve bei den Neuinfektionen erstmals abflachen, mit mehrtägiger Verspätung dann auch die Kurve bei den Intensiv- und Normalbetten. Aktuell müssen 6,8 Prozent der Neuinfizierten ins Spital eingeliefert werden, 1,1 Prozent landen auf der Intensivstation. 0,4 Prozent sterben an – oder an den Folgen von – Corona.

Menschen unterlaufen Social Distancing

Warum die Neuinfektionen so unerwartet „stark nach oben geschnalzt“ sind, wie es Klimek ausdrückt? Der Experte vermutet „ein Zusammenspiel unterschiedlichster saisonaler Effekte“, wie die Verschiebung zu mehr engeren Kontakten in geschlossenen Räumen, die niedrigeren Temperaturen und die Probleme beim Contact Tracing. Auch halten die Menschen im Herbst nicht mehr so Abstand wie im Frühjahr.

Ohne Einschränkungen nicht durch den Winter

Verabschieden müsse man sich von der Idee, dass man im Dezember wieder zur Vor-Lockdown-Realität zurückkehrt. „Man darf nicht glauben, dass nach vier Wochen alles wieder aufsperrt. Ohne Einschränkungen werden wir nicht durch den Winter kommen.“

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