Kinder verletzten sich im Lockdown häufiger zu Hause

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Kinder verletzten sich im Lockdown häufiger zu Hause

Der erste coronabedingte Lockdown im März und April des Vorjahres hat sich auf die Anzahl und Art der Kinderunfälle ausgewirkt. Kinder verletzten sich wenig überraschend seltener beim Sport. Dafür stieg die Anzahl der im Haushalt entstandenen Verletzungen bei Kindern unter sechs Jahren an, zeigte eine am Mittwoch bei einer Pressekonferenz des Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) präsentierte Analyse der Ambulanzbesuche im Klinikum Donaustadt (vormals SMZ Ost).

Insgesamt mussten im Klinikum Donaustadt im ersten Lockdown weniger verunfallte Kinder im Vergleich zum selben Zeitraum im Jahr 2019 behandelt werden. Bei Kleinkindern blieb die Anzahl der Behandlungen jedoch auf ähnlichem Niveau. Vor allem leichte Verletzungen mussten seltener behandelt werden. Alexander Rokitansky, Vorstand der Abteilung für Kinder- und Jugendchirurgie am Klinikum Donaustadt, meinte, dass viele Eltern aus Angst vor Ansteckungen zugewartet oder problematischerweise gar Laienbehandlungen an ihren Kindern durchgeführt hätten. “Etliche Verletzungen blieben im Lockdown unbehandelt. Der Weg ins Spital sollte aber auf jeden Fall begangen werden”, sagte Rokitansky.

Kinder, die in die Ambulanz gebracht wurden, wiesen häufiger Verbrennungen oder Kopfverletzungen auf. Auch hat sich das Verschlucken oder Einatmen von Fremdsubstanzen wie Knopfbatterien, Magneten oder Haushaltsreinigern anteilig an den Gesamtunfallzahlen verdoppelt. “Für Kinder mit naturgewolltem Bewegungsdrang waren die Verhältnisse absolut einengend. Der Wohnbereich ist aber nicht der sicherste Ort und weist auch tückische Unfallgefahren auf”, so Rokitansky. Um das Risiko zu minimieren, empfiehlt der Mediziner, keine kleinen Gegenständen in Reichweite von Kleinkindern liegen zu lassen und Haushaltsreiniger in Gefäßen mit kindersicherem Verschluss aufzubewahren. Auch sei Vorsicht bei Spielen mit Magneten geboten.

Halbe Million Kinder betroffen

Mehr als eine halbe Million Kinder seien von 2015 bis 2019 verunfallt und 105 daran gestorben, wies der Direktor des KFV, Othmar Thann, auf die “besorgniserregend” hohe Anzahl an Kinderunfällen in Österreich hin. Neben Krankheiten wie Krebs würden Unfälle zu den größten Gesundheitsrisiken für Kinder zählen. Dennoch fühle sich niemand auf Bundes- oder Landesebene zuständig, Kinderunfälle in den Griff zu bekommen. “In den letzten zehn Jahren wurde nichts Konkretes dagegen unternommen. Unfälle sind kein Naturgesetz, sie sind vermeidbar”, sagte Thann. Was es brauche, sei ein bundesweites Programm zum Schutz von Kindern vor Unfällen, wie es in skandinavischen Ländern oder Frankreich vorhanden ist.

Auch müsse die Bevölkerung verstärkt in Erste Hilfe aus- und weitergebildet werden, meinte Thann. So ließe sich die Anzahl der kleinen Patienten in den Krankenhäusern, deren Wunden mit Kaffeesud, Zahnpasta, Tabak oder Henna von den Eltern oder Bezugspersonen unsachgemäß “behandelt” wurden, verringern.

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