Lateinamerika bei Toten an zweiter Stelle nach Europa

Merken
Lateinamerika bei Toten an zweiter Stelle nach Europa

Lateinamerika hat bei den Corona-Toten die USA und Kanada überholt. Die Region verzeichnete offiziell 144.758 Opfer der Pandemie, in den USA und in Kanada starben bisher 144.023 Menschen. In Europa lag die Zahl der Opfer bei bisher 202.505.

Am schwersten von Covid-19 betroffen ist in Lateinamerika derzeit Brasilien mit 72.100 Corona-Toten – das entspricht fast der Hälfte aller Opfer in Lateinamerika. Es folgen Mexiko, das mit 35.006 Toten inzwischen Italien überrundet hat, Peru mit 11.870 und Chile mit 6.979 Todesfällen.

Insgesamt 3,37 Millionen Menschen in Lateinamerika haben sich nach Angaben der Behörden mit dem Virus angesteckt. Es steht damit bei den Infizierten an zweiter Stelle nach den USA und Kanada mit insgesamt über 3,4 Millionen Fällen. Experten glauben jedoch, dass sowohl die Zahl der Corona-Toten wie auch der Infizierten in Lateinamerika in Wirklichkeit deutlich höher ist.

Nach einem massiven Anstieg der Corona-Infektionszahlen in Israel hat Energieminister Juval Steinitz indessen einen sofortigen Lockdown gefordert. “Wir müssen meiner Ansicht nach jetzt eine Sperre umsetzen, für zehn bis 20 Tage, um danach Erleichterungen zu ermöglichen”, sagte Steinitz der israelischen Nachrichtenseite ynet. Der Minister sprach sich dafür aus, dass die Bürger das Haus nur verlassen können, um zur Arbeit zu gehen oder um Lebensmittel oder Medikamente einzukaufen. “Wir kommen vermutlich sowieso dorthin, also besser früher als später”, sagte er.

Rückkehr der Masken

Mehrere Länder bzw. Regionen verschärften die Maskenpflicht. In Kroatien gilt seit Montag die Maskenpflicht in den Geschäften und Einkaufszentren für alle, sowohl für Kunden als auch für Beschäftigte. Im Gastgewerbe müssen unterdessen die Masken vom Personal, das in Kontakt mit den Gästen kommt bzw. bei Zubereitung und Servieren von Getränken und Mahlzeiten, getragen werden. Auf Mallorca und den anderen Baleareninseln ist am Montag wegen der Corona-Pandemie eine weitgehende Maskenpflicht in Kraft getreten. Damit folgten die Behörden dem Beispiel Kataloniens und der Extremadura. Dort ist das Tragen einer Maske über Mund und Nase praktisch überall außerhalb der eigenen vier Wände bereits Pflicht.

Nach einem Wiederanstieg der Corona-Infektionen hat auch Hongkong erneut Beschränkungen eingeführt. Wie die Hongkonger Regierungschefin Carrie Lam am Montag mitteilte, werden öffentliche Versammlungen von mehr als vier Menschen verboten. Geschäfte müssen teilweise schließen und Restaurants dürfen zwischen 18.00 Uhr und 5.00 Uhr nur noch Essen zum Mitnehmen anbieten. Bars, Nachtclubs, Schönheitssalons, Fitnessstudios und Karaoke-Bars dürfen gar nicht öffnen. Gesichtsmasken sind ab Montag Pflicht im öffentlichen Personennahverkehr, Zuwiderhandlungen werden mit bis zu 570 Euro bestraft.

Lockerungen in Russland

Anders sah die Situation in Moskau aus: Trotz nach wie vor vieler neuer Corona-Neuinfektionen hat die russische Hauptstadt Moskau die Maskenpflicht gelockert. Vom Montag an sei der Mund-Nasen-Schutz im Freien freiwillig, teilte die Stadtverwaltung mit. In Turkmenistan wurden die Menschen indessen aufgefordert, Masken “zum Schutz vor Staub” zu tragen. Das Land hat bisher negiert, von der SARS-CoV-2-Pandemie betroffen zu sein.

Kalifornien machte wegen rasch ansteigender Neuinfektionen viele Lockerungen seiner Corona-Auflagen wieder rückgängig. Bars und Kinos müssen schließen, Restaurants dürfen in geschlossenen Räumen keine Gäste mehr bewirten, wie Gouverneur Gavin Newsom am Montag erklärte. Zudem müssten in 30 Bezirken, darunter Los Angeles, auch Fitnessstudios, Kirchen und Einkaufszentren ihren Betrieb einstellen, sofern dieser in geschlossenen Räumen stattfinde, hieß es weiter.

Teilen auf:
Kommentare:

Es sind noch keine Kommentare abgegeben worden.

Schreibe einen Kommentar

Auch Interessant

❗️Sofortiger Aufnahmestopp für Alttextilien in den ASZ ❗️ Auch wenn die Altstoffsammelzentren in Wels seit einigen Tagen ihre Tore wieder geöffnet haben, kann die weitere Verwertung und Entsorgung der abgegebenen Materialien und Altstoffe aufgrund der Corona-Krise nicht wie gewohnt ablaufen. Besonders die Verwendungsmöglichkeiten der Alttextilien sind nahezu gänzlich eingebrochen. Die Läger sind bis an die Decke gefüllt und es steht nicht genügend Sortierpersonal zur Verfügung. Textilien können allerdings nur über eine sehr kurze Zeitspanne gelagert werden, da die Gefahr der Schimmelbildung sehr hoch ist und die Altkleidung dadurch gänzlich unbrauchbar wird. Aus diesem Grund gilt der sofortige Aufnahmestopp für Alttextilien in den ASZ sowie die Sammlung über die dezentralen Container ist weitgehend einzuschränken. ⚠️ Bitte lagert eure gut erhaltenen Kleidungsstücke einstweilen bei euch zu Hause, damit sie auch nach der Krise noch weiterverwendet werden können. 🙏🧥👕👗👚 Ein Zeitpunkt für die Aufhebung des Aufnahmestopps ist aus heutiger Sicht leider noch nicht abschätzbar, aber die Unsere Umwelt Profis und wir halten euch stets am Laufenden über alle Neuerungen. ℹ️ Foto: OÖ Landesabfallverband bzw. Volkshilfe OÖ

Aufnahmestopp!

Die Einmeldungen der Alters- und Pflegeheime zum Abrufen von Impfstoffen sind nun voll in Umsetzung, berichtete Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) am Sonntag. Bereits 111.515 Impfdosen waren mit Mitternacht abgerufen. Mit Ende dieser Woche werden rund 30.000 Impfungen durchgeführt worden sein. Die Länder sind aufgefordert, dafür zu sorgen, dass die noch nicht erfolgten Meldungen durch die Heime rasch umgesetzt werden. Die Entwicklung sei sehr positiv. Die Strategie mit einer massiven Ausweitung der Antigentestungen funktioniert, so der Ressortchef. In den vergangenen 24 Stunden waren es 14.175 PCR-Tests, hingegen bereits 20.744 Antigentests – und das am Wochenende mit immer deutlich geringeren Zahlen. Samstags waren es 19.780 PCR- und 85.514 Antigentests. Die Infektionszahlen seien jedoch noch deutlich zu hoch. Anschober: “Wir brauchen daher einen Schlusssprint in den verbleibenden zwei Wochen des Lockdowns. Daher mein Appell: Kontakte verringern, Regeln und Mindestabstand einhalten, Masken verwenden. Je weiter wir die Zahlen absenken können, desto besser können wir eine sehr vorsichtige, kontrollierte Öffnung nach dem Lockdown starten.”

Bis zum Wochenende sollen 30.000 geimpft sein

In der Pernau rollen im April die Bagger an. Dann wird mit dem Bau des neuen Kindergartens in der Negrellistraße begonnen. Weitere Betreuungseinrichtungen sollen dann ab dem nächsten Jahr folgen. In der Lichtenegg und erneut in der Pernau.

Nach dem Fall eines Arztes, der Anfang Mai im Linzer Kepler Uniklinikum (KUK) während einer OP das Spital Richtung Privatordination verlassen und dessen Patient den Eingriff nicht überlebt hatte, werden in OÖ die Vorgaben verschärft. Das geht aus der Beantwortung einer SPÖ-Anfrage durch LH-Stellvertreterin Christine Haberlander (ÖVP) hervor, wie Medien am Mittwoch berichteten. Als Konsequenz jenes Vorfalls hat Haberlander, die auch für den Gesundheitsbereich zuständig ist, mitgeteilt, dass nun eine adaptierte Richtlinie für Ärzte des KUK sowie der Spitäler der Oberösterreichischen Gesundheitsholding gilt. “Vor allem ist zu gewährleisten, dass künftig zwischen dem geplanten Ende der dienstlichen Tätigkeit (Spital, Anm.) und der Aufnahme der Nebentätigkeit (Privatordination, Anm.) ein ausreichender zeitlicher Abstand gesichert wird”. Zudem soll bei den Spitalträgern eine Stelle eingerichtet werden, die die Einhaltung der Richtlinien prüft. Seit 2010 sei es zu drei Dienstvergehen von Krankenhausärzten mit Privatpraxen gekommen, die “dienstrechtlich konsequent verfolgt” wurden, hieß es weiters in der Anfragebeantwortung. Generell müsse ein Mediziner seinem Dienstgeber eine Privatordination melden, übersteige der Verdienst 400 Euro pro Monat ist der Nebenerwerb zu genehmigen. Mehr als sechs Stunden pro Woche dürfe dafür aber nicht aufgewendet werden. Von den 3.551 Spitalsärzten in Oberösterreich betreiben derzeit laut Haberlander 617 ein Privatordination. Anfang Mai hatte ein Oberarzt während einer heiklen Operation an einen Assistenzarzt übergeben, um in seine Privatordination zu gehen. Der 77-jährige Patient, der wegen eines Aortarisses eingeliefert worden war, starb – laut einer Obduktion an einem Hinterwandinfarkt, den er während des Eingriffs erlitten hatte. Der Oberarzt wurde daraufhin entlassen, inzwischen hat man sich auf eine einvernehmliche Trennung geeinigt.

Arzt ging während OP - Vorgaben in OÖ verschärft

Der Stiftungsrat des ORF hat sich am Donnerstag unter anderem mit dem geplanten Sparpaket und der Digitalisierung beschäftigt. Außerdem wurde der Jahresabschluss 2019 genehmigt. Der ORF schloss das Vorjahr positiv ab. Auch mit einem Antrag der NEOS, der die Neuwahl des Vorsitzenden unter bestimmten Umständen verlangt, setzt sich der Stiftungsrat auseinander. Das oberste Gremium des ORF trat zum ersten Mal im heurigen Jahr wieder im ORF-Zentrum am Küniglberg zusammen. Die Sitzung fand coronabedingt allerdings nicht im üblichen Sitzungssaal, sondern im größeren Studio 2, in dem sonst beispielsweise “Was gibt es Neues” aufgezeichnet wird, statt. Dabei waren erstmals jene Mitglieder, die aufgrund des Regierungswechsels neu in das Aufsichtsgremium entsandt wurden. Auf der Tagesordnung stand unter anderem der Jahresabschluss 2019. Der ORF-Konzern bilanzierte im Vorjahr mit einem Ergebnis vor Steuern (EBT) in der Höhe von 21,2 Mio. Euro positiv. Das EBT der Muttergesellschaft betrug 20,6 Mio. Euro. Die Umsatzerlöse des ORF-Konzerns lagen 2019 bei 1,053 Mrd. Euro (2018: 1,046 Mrd. Euro). Die Erlöse aus Programmentgelten betrugen 643 Mio. Euro (2018: 637,1 Mio. Euro), jene aus der Werbung 219,5 Mio. Euro (2018: 229,6 Mio. Euro) und sonstige Umsatzerlöse bei 190,7 Mio. Euro (2018: 179,1 Mio. Euro). Heuer sieht die Lage wegen der Coronakrise anders aus. Zentrales Thema im Stiftungsrat war daher auch das 75-Millionen-Euro-Sparpaket, das sich der ORF vorgenommen hat. “Mein Position ist klar: Ich halte nichts von Zuchtmeistermethoden”, sagte Heinz Lederer, Leiter des SPÖ-“Freundeskreises” im Stiftungsrat. Der ORF habe in der Coronakrise eine hervorragende Leistung erbracht und werde nun bei den Überlegungen der Bundesregierung überhaupt nicht berücksichtigt, kritisierte Lederer. Sowohl im Programm- als auch im Finanzausschuss sei ein “hartes Sparpaket” besprochen worden. Harte Einschnitte würden etwa im Produktionsbereich verlangt. Viele Gruppen, etwa auch Kabarettisten, seien von den Plänen betroffen – diese Gruppen “dürfen uns nicht egal sein”, appellierte Lederer. “Ich habe vollstes Verständnis dafür, dass wir sparen müssen, aber ich sehe nicht ein, dass wir gar nichts bekommen.” “Wir müssen schauen, dass wir alles tun, damit wir dieses und nächstes Jahr gut aufgestellt sind”, betonte dagegen Thomas Zach, Leiter des ÖVP-“Freundeskreises”. Ziel sei, spätestens 2021 wieder ausgeglichen zu budgetieren. “Dazu muss das Unternehmen an vielen Schrauben drehen.” Das sei “aus momentaner Sicht alternativlos”. Der neue Stiftungsrat Lothar Lockl, der von den Grünen entsendet wurde, will die Debatte darüber, ob es mehr Geld von der Regierung für den ORF geben sollte, im Moment “bewusst nicht führen”. “Der ORF ist ein Herzstück der Demokratie in Österreich”, betonte Lockl. Deshalb müsse er auch weiter gestärkt werden. “Wir stehen vor einer enormen technischen Revolution, die alle Medien umfasst.” Der ORF werde daher neue digitale Möglichkeiten brauchen. Der Gesetzgeber hinke hinten nach, was die technologischen Änderungen betrifft, hier gebe es Änderungsbedarf. Auch ein Antrag des Stiftungsrats Hans Peter Haselsteiner (NEOS) auf Änderung der Geschäftsordnung stand auf der Tagesordnung. Der Antrag sieht vor, dass nach jedem Wechsel von zehn Prozent oder mehr der 35 Mitglieder des Stiftungsrates – so wie im März dieses Jahres – der Vorsitzende und sein Stellvertreter neu zu wählen sind. Der Antrag hat allerdings wenig Aussicht auf Erfolg. Gegenüber dem “Standard” verwies Vorsitzender Norbert Steger (FPÖ) auf Aussagen des früheren FPÖ-Mediensprechers Hans-Jörg Jenewein, der Stegers Abgang aus dem Stiftungsrat ankündigte. “Er hat damit meine Lust ausgelöst, nicht weg zu sein”, sagte Steger. Er erwartet nicht, dass der Antrag “ein Erdbeben” auslöst. Lederer will den Antrag “ergebnisoffen” diskutieren, kündigte er vor Journalisten an. Demokratiepolitisch gesehen habe er positive Seiten. Allerdings brauche ein Unternehmen auch Kontinuität, hier habe der Vorsitzende des Aufsichtsgremiums eine wichtige Funktion, gab er zu bedenken. Auch ob der Antrag überhaupt dem ORF-Gesetz entspricht, müsse man sich anschauen. “So weit ich weiß, gibt es Rechtsmeinungen, die das als heikel betrachten”, sagte auch Zach.

Diskussion über Sparpaket im ORF-Stiftungsrat

Bundeskanzler Sebastian Kurz pocht im Rückblick auf die Flüchtlingskrise 2015, die sich dieser Tage jährt, auf einen “Systemwechsel in der europäischen Migrationspolitik”. Illegale Migranten müssten an der europäischen Außengrenze gestoppt werden – “damit zerschlagen wir das Geschäftsmodell der Schlepper und beenden das Sterben im Mittelmeer”, zeigte sich Kurz gegenüber der APA überzeugt. “Wir in Europa müssen darüber entscheiden, wer zuwandern darf und nicht die Schlepper”, meinte Kurz in einer schriftlichen Stellungnahme. Deshalb seien illegal eingereiste Migranten an der EU-Außengrenze aufzuhalten und in ihre Herkunftsländer oder sichere Drittstaaten zurückzubringen. Es sei eine der wichtigsten Lehren aus der Flüchtlingskrise vor fünf Jahren, dass “illegale Migration quer durch Europa unrechtmäßig und daher auch zu stoppen ist”. Viele Länder hätten mittlerweile ihre Politik verändert, auch Deutschland, erklärte Kurz. “Wir müssen unsere Systeme, unsere Sicherheitsbehörden wie unseren Sozialstaat, vor einer Überforderung schützen.” Auch dürfe man “keinen neuen Antisemitismus aus der arabischen Welt ins Land importieren”, verwies der Kanzler auf die kürzlichen antisemitischen Übergriffe in Graz. Kurz war 2015 Außen- und Integrationsminister unter dem roten Kanzler Werner Faymann. Aus den Tagen und Wochen vor fünf Jahren ist dem heutigen Regierungschef vor allem Chaos in Erinnerung geblieben: “Ich denke in erster Linie an Bilder der Überforderung des Staates, als zum Beispiel österreichische Polizisten erfolglos versuchten, die Pässe von illegalen Migranten an der Grenze zu kontrollieren und diese an ihnen vorbeigingen”, so Kurz. “Genauso kommen mir aber auch Bilder in den Kopf von der Grausamkeit der Schlepper, wie etwa jene des toten Flüchtlingskindes Alan Kurdi.” Dass die Politik auf die Flüchtlingswelle nicht vorbereitet war, liegt für Kurz daran, dass “die Willkommenskultur und das staatlich organisierte Weiterwinken” damals “bei den meisten Regierungen in Europa Konsens” gewesen seien. “Daran wurde zu lange festgehalten, wohl auch aus Sorge vor einem möglichen Gesichtsverlust”, kritisiert Kurz. “Das hat aber zu einer massiven Überforderung in Mitteleuropa geführt.” Im Gegensatz zu vielen anderen Politikern ließ sich Kurz 2015 nicht medienwirksam am Westbahnhof blicken, wo tausende Flüchtlinge strandeten und von Freiwilligen versorgt wurden. Diese teils auch kritisierte Entscheidung hält Kurz auch heute noch für richtig: Er habe als Integrationsminister stets darauf verwiesen, dass der Sozialstaat nicht überfordert werden dürfe. “Die Integration einer so großen Zahl an Menschen aus ganz fremden Kulturkreisen mit einem meist nur niedrigen Bildungsniveau und keinerlei Deutschkenntnissen ist seit Jahren eine sehr große Herausforderung und bleibt es auch noch auf viele Jahre hinaus.” Eine chaotische Flüchtlingskrise wie 2015 könnte sich auch heute wiederholen – davon ist der damalige burgenländische Polizeichef und heutige Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) überzeugt. Die Politik habe “bis heute keine Lösung präsentiert”, kritisierte er im APA-Interview. Doskozil fordert Verfahrenszentren außerhalb Europas, sodass nur noch Asylberechtigte nach Europa kommen können. Die Politik habe aus der Flüchtlingskrise 2015 nicht die richtigen Schlüsse gezogen, glaubt Christian Kern, damals ÖBB-Manager und späterer SPÖ-Kanzler. “Ich fürchte, dass man wenig daraus gelernt hat”, meinte Kern im APA-Gespräch. Dennoch hat er die Krise als “einen der besten Momente der Zivilgesellschaft in Österreich” in Erinnerung. Nach wie vor hat Kern, der für sein Krisenmanagement als ÖBB-Chef viel Lob erfahren hat, die Bilder von damals im Kopf: Am eindrücklichsten sei gewesen, als die ersten Züge mit Flüchtlingen aus Ungarn an den Wiener Bahnhöfen ankamen und von Helfenden empfangen wurden, “das war wie ein Wimmelbild, wenn man so will”. Die verängstigten und völlig erschöpften Menschen seien auf “Menschlichkeit” und eine “enorme Hilfsbereitschaft” der Bevölkerung gestoßen. Das Urteil des Migrationsforschers Gerald Knaus über die Entwicklung der Flüchtlingspolitik Europas in den vergangenen fünf Jahren fällt vernichtend aus. “Kollektives Versagen, von ganz, ganz vielen Akteuren”, ortet er im Gespräch mit der APA. Es sei bis heute nicht gelungen, zu artikulieren, wie Grenzkontrolle unter Berücksichtigung von bestehendem Recht – vor allem Menschenrecht – passieren könne. Dieses Fehlen von Konzepten habe die “Tür weit geöffnet für all jene, die sagen: ‘So lange wir nicht wissen, wie wir irreguläre Migration im Einklang mit unseren Gesetzen reduzieren können, akzeptieren wir stillschweigend, dass wir unsere Gesetze brechen’, kritisiert Knaus. Genau das passiere derzeit an den Außengrenzen der EU: Die Verletzung von Rechtsstandards wie der Genfer Flüchtlingskonvention (GFK), katastrophale Bedingungen in griechischen Flüchtlingscamps, ein de-facto-Aussetzen des Asylrechts in Ungarn, illegale Pushbacks und teils Brutalität von Grenzbeamten.

Kurz im Rückblick für "Systemwechsel" in Migrationspolitik