Lockdown eine Woche später hätte Zahl der Infizierten vervierfacht

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Lockdown eine Woche später hätte Zahl der Infizierten vervierfacht

Am 16. März hat in Österreich der Lockdown zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie begonnen. Hätte man aber sieben Tage später reagiert, wäre es in etwa zu einer Vervierfachung der positiv getesteten Fälle gekommen. Darüber hinaus wären knapp über 1.000 Intensivbetten belegt gewesen, erläuterte der Simulationsexperte Niki Popper von der Technischen Universität (TU) Wien.

Er betonte ebenso wie Herwig Ostermann, Geschäftsführer von Gesundheit Österreich, dass man sich derzeit in einem “Präventionsparadoxon” befinde. Dieses Phänomen beschreibt, dass man Maßnahmen ergreift, damit etwas nicht eintritt, dann der Erfolg der Präventionsmaßnahmen aber paradoxerweise zu Unzufriedenheit führt. Österreich habe nicht zu viele Kapazitäten freigehalten für den Zeitpunkt X, bekräftigte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne). “Hätten wir nicht frühzeitig reagiert, hätte es dazu geführt, dass wir bis an die Grenzen der Möglichkeiten gegangen wären”, konstatierte Anschober. Es wären keine einfachen Beschlüsse gewesen, als Österreich “relativ frühzeitig” so entschieden hatte, betonte der Minister. Ostermann führte aus, dass es mittlerweile bereits in mehreren Ländern ähnliche Untersuchungen gibt, die zeigen, welche wichtigen Effekte die Quarantänemaßnahmen hatten.

Popper simulierte rückblickend auch die Auswirkungen einer früheren Öffnung aller Geschäfte und Schulen. Am 14. April durften hierzulande kleine Geschäfte sowie Bau- und Gartenmärkte öffnen, für Maturaklassen startete am 4. Mai der Unterricht wieder. Wären Geschäfte und Schulen bereits am 1. April geöffnet worden, “wäre die Kurve sehr rasant nach oben gegangen”, erläuterte Popper: “Da wäre die Post wieder abgegangen.” Zum Höhepunkt der Pandemie hatten die Österreicher ihre Kontakte um rund 90 Prozent reduziert. “Das gemeinsame Reduzieren von Freizeitkontakten war enorm wichtig”, betonte der Forscher. Ein Rückgang von 50 Prozent hätte die Kurve wiederum weiter ansteigen lassen.

Anschober betonte, dass es “für die Zukunft entscheidend ist zu wissen, was hat in der Vergangenheit funktioniert”. Die Situation in Österreich ist weiterhin “sehr stabil”. 674 aktiv Erkrankte gab es mit Stand Donnerstag, davon waren 107 im Spital und 30 davon in intensivmedizinischer Behandlung. 37 Neuinfektionen kamen hinzu, dem standen 58 Neugenesene gegenüber.
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