Österreichs Wirtschaftsleistung brach im zweiten Quartal um 12,5 Prozent ein

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Österreichs Wirtschaftsleistung brach im zweiten Quartal um 12,5 Prozent ein

Österreichs Wirtschaft ist wegen des weitreichenden Shutdown aufgrund der Corona-Pandemie im zweiten Quartal offenbar eine Spur weniger stark eingebrochen als bisher angenommen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sackte im Jahresabstand um 12,5 Prozent ab, erklärte das Wifo am Freitag. Vor einem Monat war das Institut noch von 12,8 Prozent Minus ausgegangen.

Im Quartalsabstand, also gegenüber Jänner bis März, verringerte sich das heimische BIP im Zeitraum April bis Juni gemäß der Revision um 10,4 Prozent, bisher war man von einem Minus von 10,7 Prozent ausgegangen.

Die Maßnahmen zur Pandemie-Eindämmung ließen wie berichtet vor allem konsumrelevante Bereiche wie Tourismus, Verkehr, Handel, persönliche Dienstleistungen sowie Kunst, Unterhaltung und Erholung einbrechen. Mit dem internationalen Einbruch der Wirtschaft ging auch die Konjunktur in der heimischen Industrie sowie die Exportnachfrage zurück. Im Euroraum sackte das BIP im Quartalsabstand um 12,1 Prozent ab, in der EU um 11,7 Prozent.

Investitionen deutlich eingeschränkt

Österreichs Wirtschaft gab im zweiten Quartal auf breiter Basis nach, Binnennachfrage und Exportnachfrage gingen zurück. “Besonders betroffen zeigten sich die Konsumausgaben der privaten Haushalte“, so das Wifo. Wegen der Einschränkungen in Handels- und Dienstleistungsbereichen schrumpften diese binnen Jahresfrist um 15,4 Prozent und dämpften das BIP stark, nämlich um 8,1 Prozentpunkte. Der öffentliche Konsum wirkte hingegen stabilisierend.

Die Investitionstätigkeit war deutlich eingeschränkt – die Bruttoanlageinvestitionen sanken gegenüber dem Vorjahr um 11,2 Prozent. Die Ausrüstungsinvestitionen brachen um 18,3 Prozent ein, die Bauinvestitionen um 10,9 Prozent.

Wegen des globalen Abschwungs verringerte sich die heimische Exporttätigkeit um 19,8 Prozent – sowohl bei Waren (-17,2 Prozent), aber noch stärker bei Dienstleistungen (-26,5 Prozent), wobei hier der massive Einbruch der Reiseverkehrsexporte die Entwicklung dämpfte. Die Importe lagen um 18,0 Prozent unter Vorjahr, bei Waren um 16,0 Prozent tiefer und bei Dienstleistungen um 23,2 Prozent, sodass die Außenwirtschaft einen negativen Wachstumsbeitrag lieferte.

Wertschöpfung geht stark zurück

Auf der BIP-Entstehungsseite entwickelten sich laut Wifo die Dienstleistungsbereiche uneinheitlich – vor allem in den konsumrelevanten Branchen sank die Wertschöpfung massiv. In den Bereichen Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kfz, Verkehr, Beherbergung und Gastronomie betrug der Rückgang kräftige 26,7 Prozent im Jahresabstand (vor einem Monat rechnete man noch mit -27,8 Prozent); damit lag der negative BIP-Beitrag bei -5,2 Prozentpunkten.

Die Bereiche Sport-, Kultur- und Unterhaltungseinrichtungen sowie persönliche Dienstleistungen waren ebenfalls stark von den Maßnahmen zur Covid-19-Eindämmung betroffen, die Wertschöpfung sank hier um 32,0 Prozent. In den Sektoren Information und Kommunikation, Kredit- und Versicherungswesen, Grundstücks- und Wohnungswesen stabilisierte die Entwicklung hingegen das heimische Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal, so das Wifo.

Minus 7 Prozent für das Jahr erwartet

Auch die Industrie- sowie die Baukonjunktur wurden durch die Pandemie belastet: Die Wertschöpfung in der Sachgütererzeugung brach um 20,4 Prozent ein, jene in der Bauwirtschaft um 11,9 Prozent.

Ihre nächsten vierteljährlichen Prognosen wollen Wifo und IHS am 9. Oktober vorlegen. Ende Juni waren die Institute für 2020 noch von 7,0 bzw. 7,3 Prozent BIP-Rückgang ausgegangen – danach wurde man aber schon wieder etwas optimistischer: Erst diese Woche sprach das Wifo in seinem Update zur Mittelfrist-Prognose von einem “leichten Silberstreif am Horizont” und änderte die Erwartung für das heurige BIP-Minus auf 6,8 Prozent statt 7,0 Prozent. Das IHS hatte vor gut einem Monat erklärt, bei schneller Erholung werde das BIP heuer vielleicht nur um 6,4 Prozent schrumpfen. Ende Juni hatten Wifo und IHS für 2021 schon wieder 4,3 bzw. 5,8 Prozent Zuwachs vorhergesagt.

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