Regierung lässt Lockerungen offen

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Regierung lässt Lockerungen offen

Immerhin waren am Samstag 2.457 Infektionen verzeichnet worden. Das ist in etwa das Doppelte jener Zahlen vor der Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts und der Öffnung des Handels vor drei Wochen. In Wien wurden 769 Infektionen gemeldet. Das ist fast das Vierfache des Werts vom Ende des strikten Lockdowns.

Dennoch heißt es aus der Regierung, dass die Öffnungsschritte vom 8. Februar mit den damit verbundenen Tests bisher noch keinen massiv ansteigenden Trend in der Entwicklung der Neuinfektionen zeigten. Allerdings seien die Zunahmen der vergangenen Tage mit aller notwendigen Aufmerksamkeit genau zu analysieren und in den Beratungen über weitere Schritte jedenfalls zu berücksichtigen. Man wolle die jetzige stabile Situation nicht leichtfertig aufs Spiel setzen.

Die Fachleute, die am Montag ins Kanzleramt geladen sind, kennt man bereits. Das geht von der Virologin Dorothee von Laer über die Epidemiologin Eva Schernhammer, den Vizerektor der Med Uni Wien Oswald Wagner bis zu Herwig Ostermann von der Gesundheit Österreich GmbH. Sie werden auch bei den Beratungen mit der Opposition sowie mit den Landeshauptleuten dabei sei.

Die Lage für die Regierung ist einigermaßen kompliziert. Die Wirtschaft macht massiv Druck, z.B. die Gastronomie mit Eintrittstests zu öffnen. Dazu kommen die gesamte Kulturwelt, die wieder ihre Arbeit aufnehmen will. Nicht zuletzt drängen die Sportorganisationen auf Lockerungen im Amateur- und Freizeitbereicht. Auch mehrere Landeshauptleute hatten sich in den vergangenen Tagen mit Öffnungswünschen hervorgetan, sowohl aus der ÖVP wie Thomas Stelzer (Oberösterreich) und Johanna Mikl-Leitner (Niederösterreich) als auch aus der SPÖ wie Hans Peter Doskozil (SPÖ).

Auf der anderen Seite stehen die medizinischen Experten, die zum größten Teil angesichts der offenkundig ansteckenderen britischen Variante, die das Infektionsgeschehen bereits dominiert, vor Lockerungen warnen. Ganz im Gegenteil hat die Ampel-Kommission sogar eine Rücknahme empfohlen, sobald eine bundesweite Inzidenz von 200/100.000 Einwohner erreicht ist. Zuletzt lag sie bei 149, wobei sie sich in Niederösterreich und dem Burgenland schon der 200er-Marke näherte. Zu beachten ist dabei, dass sich die britische Variante zunächst im Osten breit gemacht hatte.

Einen gewissen Effekt bei der Zunahme der Fallzahlen hat auch der Ausbau der Tests.Österreich führe mittlerweile pro Woche rund 2,5 Millionen Tests durch und befinde sich so im weltweiten Spitzenfeld, freut sich die Regierung.

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