Rufe nach Ausnahmeregelung für den Nikolo werden laut

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Rufe nach Ausnahmeregelung für den Nikolo werden laut

Heute ab 10 Uhr informieren Gesundheitsminister Rudolf Anschober und Wissenschaftler Peter Klimek darüber, welche Lockdown-Maßnahmen sinnvoll sind und was sie bewirken. In der Bevölkerung mehren sich die Rufe nach einer Ausgangserlaubnis für den Nikolo.

Die bisher größte Studie zur Effektivität von Corona-Maßnahmen kommt aus Wien – genauer genommen aus dem Complexity Science Hub Vienna, einer Forschungsgruppe, die sich mit der Untersuchung großer Datenmengen beschäftigt. Die Wissenschafter dort haben knapp 4600 Maßnahmen aus 76 Staaten verglichen – und sie kamen zum Schluss: Der totale Lockdown ist zum Eindämmen der Reproduktionszahl nur mäßig effektiv.

Trotzdem kam es zu diesem zweiten Lockdown, und der Hauptautor der Studie, Peter Klimek, tritt heute ab 10 Uhr gemeinsam mit Gesundheitsminister Rudolf Anschober vor die Presse, um über die Sinnhaftigkeit der aktuellen und weiterer Corona-Maßnahmen Auskunft zu geben.

Auf die Rechenmodelle Klimeks geht auch die Erkenntnis zurück, dass vor allem die Schließungen von Schulen, Kindergärten und Unis  sehr wirksam seien – nicht nur wegen der direkten Ansteckungsgefahr sondern vor allem wegen der Reduktion der Bewegungen.

“Ausgang für den Nikolo”

Einzelne Politiker nehmen indes Rufe aus der Bevölkerung nach dem Nikolo auch in Corona-Zeiten auf: In Tirol schlagen Neos und FPÖ vor, der Nikolo könnte etwa “kontaktlos an den Häusern vorbeiziehen, den Kindern zuwinken und seine Gaben an der Türe hinterlassen” oder “Personen, die einen negativen Test nachweisen können, könnten als Nikolaus-Darsteller die Familien auf der Straße oder im Garten besuchen”, so die FPÖ.

Formaljuristisch darf der Nikolo derzeit nicht ausßer Haus gehen – es brauche eine “Handlungsanweisung”, was erlaubt ist, und was nicht – zumal sich möglicherweise schon am 7. Dezember wieder jeder frei bewegen könne.

Die Studie des Complexity Science Hub konnte auch nachweisen, dass freiwillige Empfehlungen, gepaart mit Aufklärungskampagnen und klarer Kommunikation, „nur unwesentlich schlechter“ funktionieren, als solche Maßnahmen, die mit Zwang verbunden sind, erklärt Klimek. Denn: Durch Aufklärung würde die Bevölkerung auch langfristig ihr Verhalten ändern, und so ergebe sich ein nachhaltigerer Effekt als bei Verboten. „Da muss man Klarheit schaffen: Was wirkt wie stark?“, sagt Klimek. „Unsere Kommunikation in Österreich ist sehr stark zwischen Extremen gependelt.“

Was uns bevorsteht? „Weihnachten wird ein Wurstelprater für das Coronavirus“, fürchtet Klimek, denn da sei „an jeder Ecke etwas los, wo das Virus mitfahren möchte“. Aber danach ist wohl bald eine Impfung in Sicht.

 

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