Tätowierer in der EU bangen um ihre Farben

Merken
Tätowierer in der EU bangen um ihre Farben

Tätowierer in der EU bangen um ihre Farben.Zwei bei Tätowierungen besonders beliebte Farbpigmente – Blau 15 und Grün 7 – sind seit Anfang des Jahres verboten. Die Branche hat nun zwei Jahre Zeit, sich darauf einzustellen. Doch unter Tätowierern regt sich Widerstand. Das Verbot ist ihrer Einschätzung nach existenzbedrohend. Eine Petition im EU-Parlament soll nun die gewünschten Änderungen der Verordnung bringen.

Insgesamt werden rund 4.000 bedenkliche Substanzen bei Tattoo-Farben und permanentem Make-up beschränkt. Die Farbpigmente Blau 15 und Grün 7 sind in zwei Dritteln aller Tätowierfarben enthalten.

Risiko von Blasenkrebs

Die Europäische Chemikalienagentur ECHA “wolle das Tätowieren nicht verbieten, sondern sicherer machen”, heißt es auf ihrer Webseite. Als Grund für das Verbot von Blau 15 und Grün 7 führt die Agentur gegenüber der APA an, die beiden Pigmente seien für die Verwendung in Haarfärbemitteln wegen potenziellem Risiko von Blasenkrebs verboten – nach dem Motto: “Wenn sie nicht auf der Haut verwendet werden dürfen, sollten sie auch nicht in der Haut verwendet werden dürfen.” Zur Bewertung wurden laut ECHA auch Ergebnisse von Tierversuchen herangezogen.

“Pigmente schädlich”

Erich Mähnert, Tätowierer und Ko-Initiator der Petition, kritisierte gegenüber der APA einen Mangel an belastbaren Studien. Die ECHA verbiete die beiden Farbstoffe “aus bloßer Vermutung”. Er fügte aber auch hinzu, dass es zwar “absolut nicht nachweisbar ist, dass diese beiden Pigmente schädlich sind, es ist allerdings auch nicht beweisbar, dass sie es nicht sind”.

Mähnert und sein Petitionspartner, der Chemieingenieur Michael Dirks, verwiesen auf eine Einschätzung des Monitors des deutschen Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) vom September 2020, die der APA vorliegt. Darin erklärt das BfR die erhobenen Gesundheitsrisikodaten für “unvollständig”. Auf Basis derzeitig verfügbarer Daten würden beide Substanzen eine “vergleichsweise geringe Toxizität” aufweisen.

Lage nicht eindeutig

Die Lage ist nicht eindeutig. Zu diesem Schluss kommt Hautarzt Andras Cseh. “Ich kann mich aus der derzeitigen Datenlage heraus nicht mit gutem Gewissen für ein Verbot oder eine weitere Zulassung aussprechen”, sagte der Facharzt für Dermatologie am Wiener Dermacare Institut der APA. Er forderte “viel mehr Studien”. Es gebe von “vielen Dermatologen keine eindeutige Warnung, aber Bedenken” – allerdings auch “keinen Beweis, dass diese Stoffe karzinogen oder schwer allergen wirken würden”. Eine Lösung könnte etwa die intensive Suche nach “eindeutig hautfreundlichen und gesundheitlich unbedenklichen” Alternativen bringen.

Asiatische Motive unmöglich

Das Tätowieren von traditionellen asiatischen Motiven wäre durch das Verbot der Pigmente “unmöglich”, klagt Mähnert. Es gebe dann kein Grasgrün, kein Drachengrün und kein Himmelblau mehr. Im Bereich der Permanentkosmetik wären ohne die beiden Farbpigmente keine Korrekturen oder etwa Brustwarzenrekonstruktionen mehr möglich.

Mähnert befürchtet, dass das Verbot den Schwarzmarkt ankurbeln werde und damit die Sicherheit leide. Offiziell sind in Österreich rund 1.400 Tätowierer und Pigmentierer von der Verordnung betroffen. Für sie sei das Verbot “existenzbedrohend”, so Mähnert.

Anfangs sollte die Übergangszeit bis zum endgültigen Verbot nur ein Jahr betragen. ECHA räumte allerdings ein, dass die Zeit für das Finden von Alternativen zu kurz sei und verlängerte den Zeitraum auf zwei Jahre. Mähnert betonte, dass es derzeit keine sicheren und technisch machbaren Alternativen gibt, um die beiden Farbpigmente zu ersetzen und ihr Farbspektrum abzudecken. Auch habe die Konventionelle Industrie (Pigment Industrie) “kein Interesse daran ein neues Pigment zu liefern”.

Die Hoffnung, dass es gar keine Alternativen braucht, ist groß. Mähnert zeigt sich “sehr zuversichtlich”, dass die EU-Petition erfolgreich sein wird. Man begrüße eine europaweite einheitliche Regelung, aber diese sollte nicht existenzbedrohend für die ganze Tätowier- und Pigmentierbranche in der EU sein.

Unterstützt wird die EU-Petition von EU-ÖVP-Mandatar Alexander Bernhuber, der im Europaparlament im Umweltausschuss und Petitionsausschuss tätig ist. Er zeigt sich zuversichtlich, dass die Verordnung noch geändert werden kann. “Mit rund 2.500 Unterstützerinnen und Unterstützern ist diese Petition aktuell eine der erfolgreichsten österreichischen Petitionen im EU-Parlament”, erklärte Bernhuber gegenüber der APA. Tattoofarben würden ohnedies einer strengen Prüfung unterliegen, “bevor sie für den europäischen Markt freigegeben werden, ein pauschales Verbot der beiden Farben ist daher unverhältnismäßig.”

Teilen auf:
Kommentare:

Es sind noch keine Kommentare abgegeben worden.

Schreibe einen Kommentar

Auch Interessant

Das Gesundheitsministerium stellte bisher allerdings keine Daten dieser Analyse zur Verfügung. Laut Pazuello seien die Infektionen in den Dschungelstadt Manaus in den vergangenen Monaten unerwartet gestiegen, würden aber unter Kontrolle gebracht. Bei einer Anhörung im Senat sagte der Minister, dass Brasilien die Hälfte der impfberechtigten Bevölkerung bis Juni und den Rest bis zum Ende des Jahres impfen werde. Allerdings hat das Land aktuell nur Impfdosen gesichert, um die Hälfte seiner Bevölkerung zu versorgen. Wirksamkeit des Impfstoffes Brasilien begann vor etwa drei Wochen mit Impfstoffen von Chinas Sinovac Biotech und der britischen AstraZeneca zu impfen. Das Butantan-Institut in Sao Paulo sagte in einer Erklärung, dass es mit Studien bezüglich der neuen Manaus-Variante bereits begonnen habe, Ergebnisse aber erst in zwei Wochen zu erwarten seien. Auch das biomedizinische Zentrum Fiocruz in Rio de Janeiro, das eine Partnerschaft mit AstraZeneca eingegangen ist, teilte mit, dass es ebenfalls die Wirksamkeit gegen die Amazonas-Variante untersuche und Proben nach Oxford geschickt habe.

In Brasilien wurde eine neue Coronavirus-Variante entdeckt

Mit einheitlichen Regeln für die gesamte Europäische Union soll der Betrieb von unbemannten Drohnen ab 31. Dezember dieses Jahres vereinfacht werden. In Österreich wird über die Austro Control eine Art Drohnenführerschein zu absolvieren sein, der dann für die gesamte EU gilt. Damit soll der Luftraum vor allem sicherer werden, hieß es bei der Präsentation am Montag in Wien. “Heute müssen Sie eine Drohne noch bewilligen lassen, zukünftig wird das deutlich einfacher sein”, sagte Austro-Control-Geschäftsführerin Valerie Hackl. Dauert es aktuell oft noch mehrere Tage bis eine Flugdrohne in Betrieb genommen werden darf, braucht es in Zukunft nur noch die Absolvierung einer Multiple-Choice-Prüfung und schon kann der Luftraum beflogen werden. Starten soll das neue Verfahren bereits im zweiten Halbjahr dieses Jahres. “Damit wollen wir sicherstellen, dass eine gewisse Bewusstseinsschaffung in der Bevölkerung erreicht wird”, fügte Hackl hinzu und betonte, dass das Betreiben einer Drohne zudem deutlich günstiger werde. Müssen Drohnenbesitzer heute mit 300 Euro für die Bewilligung rechnen, kostet der Drohnenführerschein in Zukunft nur noch 28 Euro und ist fünf Jahre lang gültig. Zudem können damit beliebig viele Drohnen zwischen 250 Gramm und 25 Kilogramm betrieben werden. Sogenannte Spielzeugdrohnen ohne Kamera, die maximal 30 Meter hoch fliegen können, sind davon befreit. Außerdem müssen Betreiber, die aktuell über eine Bewilligung verfügen, den neuen Drohnenführerschein erst nach Ablauf dieser absolvieren. Zwar ist es notwendig in Zukunft jede Drohne online zu registrieren und zu beschriften, doch sei dies mit keinen Zusatzkosten verbunden. “Die Anwendungsbereiche werden immer größer und intensiver”, sagte Magnus Brunner, Staatssekretär im Klimaschutz- und Innovationsministerium. Wurden Drohnen zu Beginn hauptsächlich für Foto- und Videoaufnahmen genutzt, sind sie heute bereits in der Landwirtschaft, Vermessungstechnik oder bei der Feuerwehr zu finden. “Dieses Innovationspotenzial wollen wir ausbauen und wollen wir nützen”, sagte Brunner und betonte, dass es mit steigender Anzahl an Drohnen immer mehr auf die Sicherheit des Luftraums ankomme. Während in den ersten Jahren seit 2015 laut Brunner rund 400 Drohnen jährlich durch die Austro Control bewilligt wurden, waren es 2019 fast 2.700 und heuer bereits 1.300.

Drohnenführerschein kommt und soll für Sicherheit sorgen

Ein heftiger Kreuzungscrash zwischen zwei PKW in Wels-Pernau forderte Samstagabend insgesamt zwei Verletzte. Eines der beteiligten Fahrzeuge überschlug sich und kam am Dach liegend zum Stillstand.

Auto überschlagen: Schwerer Kreuzungscrash in Wels-Pernau fordert zwei Verletzte

Ein Kreuzungsunfall zwischen PKW und Kleintransporter hat sich Montagfrüh in Gunskirchen (Bezirk Wels-Land) ereignet. Der Crash endete ersten Informationen zufolge eher glimpflich.

Kreuzungscrash in Gunskirchen fordert zwei Verletzte

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat neue Richtlinien vorgelegt, in denen Jugendlichen ab zwölf Jahren das Maskentragen zum Schutz vor einer Corona-Infektion empfohlen wird. “Kinder ab zwölf Jahren sollten unter denselben Umständen Masken tragen wie Erwachsene – besonders, wenn sie den Mindestabstand von einem Meter nicht einhalten können und die Infektionsrate in der Region hoch ist.” Die Richtlinien hat die WHO in Zusammenarbeit mit dem UNO-Kinderhilfswerk (UNICEF) erstellt. Noch immer gebe es große Unklarheiten über die Rolle von Kindern bei der Übertragung des neuartigen Coronavirus, heißt es in den Richtlinien. Es gebe eine Reihe von Hinweisen darauf, dass kleine Kinder weniger empfänglich für eine Corona-Infektion seien als Erwachsene, erklärte die WHO. Allerdings deuteten weitere Daten darauf hin, dass Teenager bei der Übertragung des Coronavirus “eine aktivere Rolle spielen als jüngere Kinder”. Kinder unter fünf Jahren sollten laut WHO und UNICEF keinen Mund-Nasen-Schutz tragen. Dies sei im allgemeinen Interesse der Kinder und ihrer Sicherheit, erklärten die Organisationen. Auch für Kinder mit Behinderungen oder Entwicklungsstörungen sollte keine Maskenpflicht gelten, hieß es weiter. Für Kinder zwischen sechs und elf Jahren könne es den Richtlinien zufolge dagegen sinnvoll sein, eine Maske zu tragen – etwa, wenn sie sich in schwer von der Pandemie betroffenen Gebieten aufhielten oder Kontakt zu Risikogruppen haben. In diesem Fall sollte allerdings eine erwachsene Aufsichtsperson in der Nähe sein, um den Kindern beim sicheren Gebrauch der Maske zu helfen, betonten die Organisationen.

WHO empfiehlt Jugendlichen ab zwölf Jahren Maskentragen