Tagebuch des Kriegsverbrechers Mladic wird zum Kunstobjekt

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Tagebuch des Kriegsverbrechers Mladic wird zum Kunstobjekt

Für Massenmorde und Vertreibungen während des Bosnienkrieges (1992-1995) hat das Jugoslawien-Tribunal in Den Haag den bosnisch-serbischen Armeeführer Ratko Mladic in erster Instanz zu lebenslanger Haft verurteilt. In Serbien werden die Vorkommnisse bis heute verdrängt. Nun zeigt der serbische Künstler Vladimir Miladinovic in der Belgrader Galerie Eugster seine Ausstellung “The Notebook”.

Der 1981 geborene Miladinovic widmete sich dem Kriegstagebuch von Mladic, das erst 2010 bei einer Hausdurchsuchung sichergestellt wurde. Der Künstler ging von der englischen Fassung aus, die das Haager Tribunal erstellte und als Beweismittel im Mladic-Prozess verwendete. Die 400 Seiten dieser Version zeichnete der Künstler mit einer Tuschfeder Wort für Wort nach, die einzelnen Blätter fügte er zu der in formaler Strenge konzipierten Ausstellung zusammen.

“Mir ging es darum, sichtbar zu machen, wie die Evidenz für dieses Gericht produziert wird”, sagte Miladinovic der Deutschen Presse-Agentur. “Können wir eine symbolischen Raum schaffen, in dem wir uns vorstellen können, was passiert ist?” Tatsächlich lassen die nüchternen Tagebuchblätter die in der Realität begangenen Verbrechen kaum erahnen.

Mladic notierte Truppenbewegungen, Operationspläne und die Inhalte von Gesprächen mit Politikern, in einer sterilen, militärisch-bürokratischen Sprache. Erst im Diskurs über die Kontexte lässt sich erschließen, was die Philosophin Hannah Arendt im Zusammenhang mit den Nazi-Verbrechen die “Banalität des Bösen” genannt hat.

Die Galerie Eugster besteht seit 2017. Ihr Gründer und Leiter, der Schweizer Jan Eugster, präsentiert dort zeitgenössischer Kunst aus Südosteuropa. Zugleich will er für sie Aufmerksamkeit im internationalen Kunstmarkt schaffen.

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