Transfermillionen für Guardiola, "Waterloo" für UEFA

Merken
Transfermillionen für Guardiola, "Waterloo" für UEFA

Gestärkt vom umstrittenen Europacup-Freispruch darf sich Pep Guardiola bei Manchester City wohl auf die nächste teure Einkaufstour freuen. Nach der Verkündung des europaweit harsch kritisierten CAS-Urteils geriet der mögliche Transfer von David Alaba in den Fokus. Guardiola dürfe nach der Aufhebung der Sperre für die Champions League mehr als 160 Millionen Euro ausgeben, berichtete der “Guardian”.

Hauptziel sei dabei unter anderem der Bayern-Profi Alaba, den Guardiola bereits beim FC Bayern trainierte. Auch Guardiola selbst soll bald ein lukratives Angebot für eine Verlängerung seines bis 2021 laufenden Vertrags erhalten. Besitzer und Sponsoren aus den Vereinigten Arabischen Emiraten dürfen sich mit ihrem Geschäftsmodell der milliardenschweren Alimentierung bestätigt fühlen. Gewichtiger als die Reduzierung der ursprünglichen Geldstrafe von 30 Millionen wird für City bei möglichen Transfergesprächen das Argument, sich weiter auf der Bühne der europäischen Königsklasse präsentieren zu dürfen.

Die Europäische Fußball-Union (UEFA) steht als Verlierer des Rechtsstreits hingegen vor der schweren Aufgabe, das ohnehin begrenzte Vertrauen in ihre Finanzregeln als Steuerungsinstrument zu retten. “Die Glaubwürdigkeit des Financial Fair Play (FFP) liegt in Trümmern”, kommentierte die BBC.

Dass Manchester nur noch zehn Millionen Euro wegen mangelnder Kooperation im Verfahren zahlen muss, verstärkte zudem die verheerende Wirkung für die UEFA. Die Summe wirkt im Vergleich verschwindend gering: Seit Übernahme aus den Emiraten verbuchte City mehr als 1,6 Milliarden an Transferausgaben auf der Jagd nach dem ersehnten ersten Königsklassen-Titel. Die Einnahmen belaufen sich seitdem hingegen nur auf rund 550 Millionen.

Die begründete Entscheidung des Internationalen Sportgerichtshofs, deren Veröffentlichung der CAS “in wenigen Tagen” plant, könnte weitere Fragen beantworten. Der bisherige Verweis, dass die Vorwürfe durch die UEFA nicht bewiesen oder verjährt seien, bringt die unabhängige Finanzkontrollkammer in Erklärungsnot. Eine eigene Publikation der Anklageschrift könnte die UEFA aus dieser Verteidigungshaltung bringen. “Der europäische Fußballverband wird sich möglicherweise nie mehr von der Entscheidung des CAS erholen”, schrieb der “Independent” und wertete das Urteil als “Katastrophe” für den Verband. “Die UEFA hat diesen Fall verpfuscht.”

Ein wirklicher Befreiungsschlag für die UEFA wäre aber wohl nur eine grundlegende Revision des vor einem Jahrzehnt genehmigten Financial Fair Plays. Die UEFA bleibe “verpflichtet”, Clubs zu schützen und bei finanzieller Nachhaltigkeit zu helfen, teilte der Verband mit. Wegen der Folgen der Coronavirus-Pandemie sind die Maßgaben vorerst allerdings erst einmal gelockert: Die Bewertung der Break-even-Vorschrift, nach der die Vereine grundsätzlich nicht mehr ausgeben dürfen als sie einnehmen, wurde um eine Saison verschoben.

Der frühere Berater von Michel Platini sieht durch das CAS-Urteil sogar eine mögliche Abschreckung für Geldgeber. “Ein Besitzer, der im Fußball ist, weil er einen rechtmäßigen Profit machen will und dabei auf einen Wettbewerber trifft, der die tiefsten Taschen der Welt und unendlich viel Geld hat, ist unglaublich entmutigt. Wenn ich ein legitimer Investor wäre, würde ich mich aus dem Fußball zurückziehen”, sagte William Gaillard, der zu Zeiten der Einführung des Financial Fair Play bei der UEFA tätig war.

Auch Trainer Jürgen Klopp vom englischen Fußball-Meister Liverpool hat den Europacup-Freispruch für Ligakonkurrent Manchester City kritisiert. “Ich wünsche niemandem etwas Schlechtes. Aber ich denke nicht, dass es gestern ein guter Tag für den Fußball war”, sagte der Coach am Dienstag bei einer Pressekonferenz. “Ich denke, dass das Financial Fair Play eine gute Idee ist. Es ist dafür da, die Teams und den Wettbewerb zu schützen”, erklärte der 53-jährige Deutsche. Klopp erklärte, dass er keine Details des CAS-Urteils kenne und es deswegen nicht weiter kommentieren könne.

Der Liverpool-Coach betonte, dass sich alle Teams an die UEFA-Finanzregeln zu halten hätten. “Ich hoffe, dass das Financial Fair Play bleibt. Es gibt zumindest Grenzen vor, das ist gut für den Fußball.” Wenn es keinerlei Regularien mehr gäbe, würde es schwierig. “Das würde automatisch dazu führen, dass es eine weltweite Super League geben würde”, sagte Klopp.

Etwas Gutes konnte der Meistertrainer aber dennoch der Tatsache abgewinnen, dass City auch die nächsten Jahre international spielen darf. “Dann haben sich nicht zehn bis zwölf Spiele weniger, während der sie ihre Spieler schonen könnten. Dann würde ich keine Titelchance mehr für ein anderes Team sehen”, meinte Klopp schmunzelnd.

Trainer Pep Guardiola hat hingegen eine Entschuldigung gefordert und Kritiker des Neids bezichtigt. “Es war ein großartiger Tag für den Fußball und kein schlechter Tag, weil es zeigt, dass wir nach den gleichen Regeln wie alle Eliteclubs spielen”, sagte der spanische Coach am Dienstag. Dass der Präsident der spanischen Primera Division, Javier Tebas, das CAS-Urteil kritisiert hatte, erzürnte den Katalanen. “Senor Tebas muss so neidisch auf den englischen Fußball sein”, meinte Guardiola. “Wir werden nächstes Jahr in der Champions League sein, Senor Tebas, weil wir es ordnungsgemäß gemacht haben.”

Zu seiner eigenen weiteren Zukunft wollte sich der frühere Coach des FC Barcelona und FC Bayern nicht konkret äußern. Sein Vertrag bei City läuft noch bis zum Sommer 2021. “Ein Jahr ist für einen Trainer eine lange, lange Zeit”, sagte Guardiola. “Ich war zuvor glücklich und bin es jetzt. Wir haben noch Zeit darüber zu sprechen.”

Teilen auf:
Kommentare:

Es sind noch keine Kommentare abgegeben worden.

Schreibe einen Kommentar

Auch Interessant

Das Coronavirus mit den daraus entstehenden Herausforderungen nimmt dem Neoliberalismus endgültig den Wind aus den Segeln, meint Stephan Schulmeister, Ökonom und Professor an der Universität Wien. Er sieht in der aktuellen Krise eine Chance für die Stärkung des Sozialstaats und die Umsetzung von Maßnahmen, die nach der Finanzkrise von 2008 verschlafen wurden.

Prominenter Wirtschaftsforscher: Coronavirus stärkt den Sozialstaat

Exakt 7.221 Laptops und Tablets sind während der Coronakrise an Bundesschulen ausgeliefert worden, um Jugendliche ohne entsprechende Geräte gratis ausstatten zu können. Das geht aus einer parlamentarischen Anfragebeantwortung von Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) an die NEOS hervor. Mit Abstand die meisten Laptops wurden in Wien und dort an den AHS vergeben. Der Bund wollte mit der Aktion das Homeschooling unterstützen. Die Geräte wurden ab Ende April zugestellt und waren damit erst nach der Intensivphase des Lockdowns verfügbar. Sie mussten von den Schülern mit Ende des Schuljahrs zurückgegeben werden und werden an den entsprechenden Standorten gewartet und danach “ihrem sozialen Zweck entsprechend” wieder an Schüler vergeben. 2.690 Geräte waren in Wien vergeben worden, 1.303 in der Steiermark, 699 in Nieder- und 696 in Oberösterreich. Tiroler Schüler wurden in 605 Fällen bedacht, Salzburger in 514. In Kärnten wurden 369 ausgeliefert, im Burgenland 227 und in Vorarlberg bloß 199. Besonders groß war der Bedarf an den AHS mit 5.398 mobilen Endgeräten. Die BMHS wurden in 1.770 Fällen bedacht, dazu kamen noch 53 vom Bund finanzierte Geräte für Mittelschulen. Wer einen Laptop bzw. ein Tablet benötigt, wurde seitens der Bildungsdirektionen über die Schulstandorte erhoben. Die Kosten der Hilfsleistung liegen bei 4,8 Millionen Euro. Unabhängig von den Bundesschulen wurden auch an den Pflichtschulen Laptops und Tablets ausgegeben. Diese Aktion lief allerdings über die jeweiligen Länder. Aktionen dieser Art sollten künftig nicht mehr nötig sein. Denn gemäß Regierungsplänen wird im Schuljahr 2021/2022 mit einer Gratis-Laptop-Aktion begonnen. Erhalten werden die mobilen Endgeräte jeweils die Schüler der fünften Schulstufe, im ersten Jahr auch die der sechsten.

Mehr als 7.000 Gratis-Computer an AHS und BMHS ausgeliefert

Peter Handke wurde am 6. Dezember 1942 im Kärntner Griffen geboren. Mit seinen ersten Werken erlangte er rasche Bekanntheit. Der vielfach ausgezeichnete Autor lebt seit fast 30 Jahren in Frankreich in einem Vorort von Paris. Er erhält den für dieses Jahr vergebenen Preis “für ein einflussreiches Werk, das mit sprachlicher Genialität die Peripherie und die Spezifizität der menschlichen Erfahrung untersucht”, so die Begründung der Akademie. Bei der Verkündung wurde sowohl auf sein Werk als Prosaautor als auch als Dramatiker hingewiesen.   Foto: Matthias Cremer

Österreicher gewinnt Literatur-Nobelpreis

Eine Ablenkung der etwas anderen Art empfiehlt der Verein „Junge Generation Marchtrenk“: Der im Februar im Full Haus Marchtrenk durchgeführte „JG Kleinkunstabend“ wurde akustisch aufgezeichnet und nun veröffentlicht.

Marchtrenker Kleinkunstabend als Gratis-Hörspiel für zuhause

Ein 17-Jähriger, der einem 38-Jährigen an einer Linzer Straßenbahnhaltestelle einen tödlichen Faustschlag versetzt haben soll, ist am Freitag im Landesgericht Linz zu zwei Jahren bedingter Haft verurteilt worden. Der Schuldspruch erfolgte wegen Körperverletzung mit tödlichem Ausgang. Sowohl Verteidigung als auch Staatsanwaltschaft gaben keine Erklärung ab, das Urteil ist somit nicht rechtskräftig. Der Vorfall hatte sich am 5. Juni des vergangenen Jahres ereignet. Der damals noch 16-Jährige erzählte, dass das spätere Opfer schon kurz zuvor in einem Lokal an der Donaulände ihm und seinen drei Freunden durch aggressives Verhalten aufgefallen sei. Als das Quartett später bei einer Haltestelle am Hauptplatz auf eine Straßenbahn wartete, sei der 38-Jährige dort aufgetaucht und habe zu schimpfen begonnen. Er blieb in der Verhandlung bei seinen früheren Aussagen, dass er sich bedroht gefühlt habe. Er habe damit gerechnet, dass der Mann ihn beim Einsteigen in die Straßenbahn von hinten angreifen würde. Deshalb habe er als Linkshänder mit eben dieser Hand dem Kontrahenten einen Schlag ins Gesicht versetzt. Mann verstarb an Kopfverletzungen Der Getroffene – bei ihm wurden später 1,97 Promille Alkohol im Blut festgestellt – stürzte rückwärts, prallte dabei mit dem Hinterkopf am Boden auf und verlor das Bewusstsein. Der Bursch und seine Freunde stiegen in die Straßenbahn und fuhren weg. Er habe Angst gehabt, dass der Mann wieder aufstehe und sein Verhalten fortsetze. Einige Tage später erlag der Mann im Kepler Uniklinikum seinen Kopfverletzungen. Im Prozess bekannte sich der Angeklagte im Sinne der Anklage nicht schuldig. Sein Verteidiger argumentierte, sein Mandant habe in Notwehr gehandelt. Die Begleiter des 17-Jährigen bestätigten als Zeugen im wesentlichen den vom Beschuldigten geschilderten Hergang. Eine wesentliche Rolle im Beweisverfahren spielten die Videoaufnahmen aus zwei Überwachungskameras in der kurz davor eingefahrenen Straßenbahn. Sie dokumentierten auch teilweise das Geschehen in der Haltestelle. Die nur wenige Sekunden dauernden Szenen zeigten, wer von den beiden Kontrahenten sich wie bewegte. Dabei ergaben sich Differenzen zu den Wahrnehmungen der vom Gericht befragten Augenzeugen. Auch die Mitgliedschaft des Angeklagten in einem Boxsportklub und früher in einem Judo-Verein waren ein Thema. Der Angeklagte stellte dazu fest, dass er diese Sportarten lediglich aus Fitnessgründen und nicht zum Erwerb von Kampftechniken betrieben habe. Seine Freunde beschrieben ihn als besonnen. Am Prozess nahmen auch vier Rechtsvertreter der Angehörigen des Opfers teil, um erhebliche Summen an Teilschmerzengeld für sie und auch den Ersatz der Begräbniskosten geltend zu machen. Sie erhielten diese zugesprochen. Für weitere Ansprüche verwies sie das Gericht auf den Zivilrechtsweg.

17-Jähriger fasste 24 Monate für tödlichen Faustschlag in Linz aus