Unverwüstlich und unermüdlich: Otto Schenk wird 90

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Unverwüstlich und unermüdlich: Otto Schenk wird 90

Mehr als 70 Jahre stand Otto Schenk auf der Bühne. Er ist ein Unermüdlicher, das ist sicher. Er scheint auch ein Unverwüstlicher zu sein. Vielleicht ist er ja auch ein Unsterblicher. Am 12. Juni feiert der Schauspieler, Regisseur und Theaterdirektor seinen 90. Geburtstag. Corona-bedingt ist die Festvorstellung von “Der Kirschgarten” samt Feier im Theater in der Josefstadt jedoch abgesagt.

Der alte Kammerdiener Firs in Amelie Niermeyers unkonventioneller Tschechow-Inszenierung ist die vielleicht letzte große Rolle des Josefstadt-Doyens an dem Theater, das er von 1988 bis 1997 geleitet hat. Als Relikt vergangener Zeiten irrt er dabei immer wieder verloren durch das hektische Bühnentreiben, ein Gespenst, das im Begriff ist, sich zu entmaterialisieren.

Josefstadt-Direktor Herbert Föttinger hat versprochen, die Inszenierung im September wieder aufzunehmen, und wird dem “Otti” an seinem Geburtstag wohl einen Besuch abstatten – in jener Dachwohnung in der Wiener Innenstadt, wo Schenk in seiner beeindruckenden Bibliothek (gut bestückt auch mit Büchern von oder über Schenk) Journalisten zu empfangen pflegt, und wo auf der Dachterrasse kürzlich Barbara Stöckl und Klaus Eberhartinger für die ORF-Talksendung “Stöckl.” zu Gast waren. Mit einem Pflaster auf der Wange improvisierte der Gastgeber dort auf die Frage nach der Ursache der Verletzung eine hoch dramatische und detailreiche Szene seines Schlafzimmer-Sturzes, die deutlich machte, wie viel theatrale Gestaltungskraft in diesem angeschlagenen Körper noch steckt.

“Ich bin ein schwerer, träger Mühlstein, und immer wieder hat es Leute gegeben, die dieses Mühlrad bewegt haben”, kokettierte Schenk einmal mit der eigenen Trägheit, die so schlimm nicht sein konnte, wenn er im Rückblick auf rund 170 Inszenierungen kommt, die er im Laufe seiner langen Karriere geschaffen hat. Einer jener, die dieses Rad noch immer in Schwung halten, ist der Regisseur Michael Kreihsl. Er konnte Schenk kürzlich noch zu einer Hauptrolle für einen Fernsehfilm überreden. In “Vier Saiten” spielte er einen grantigen ehemaligen Star-Cellisten, der sich für einen talentierten jungen Syrer, der sein Schüler wird, einsetzt. Rauhe Schale, weicher Kern – eine der typischen Schenk-Rollen, mit denen er zum Publikumsliebling wurde.

Geboren wurde Otto Schenk am 12. Juni 1930 in Wien als Sohn eines Notars und einer aus Triest stammenden Verkäuferin und Geschäftsleiterin. Sein Bühnendebüt feierte er bereits 1947 als Gendarm in Karl Schönherrs “Karrnerleut” im Theater der Jugend, das damals in der Urania untergebracht war. Beim Vorsprechen am Max-Reinhardt-Seminar als Zettel überzeugte er u.a. die große Helene Thimig. Mit einer Gruppe gleichgesinnter Theater-Enthusiasten übernahm er in dieser Zeit auch das Parkring-Theater und landete mit Erich Neubergs Inszenierung von Becketts “Warten auf Godot” einen großen Erfolg. Aus den Kellertheatern wechselte er Mitte der 50er über das Volkstheater ans Theater in der Josefstadt.

Den Durchbruch als Regisseur feierte Otto Schenk 1960 mit seiner Josefstadt-Inszenierung von Eugene O’Neills “O Wildnis!”. Es folgten Horváth-Inszenierungen an den Münchner Kammerspielen (“Geschichten aus dem Wiener Wald”, 1966, und “Kasimir und Karoline”, 1969), Regiearbeiten am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg, bei den Salzburger Festspielen – u.a. Shakespeares “Was ihr wollt” (1972) und “Wie es euch gefällt” (1980) sowie die Nestroy-Stücke “Der Talisman” (1976) und “Der Zerrissene” (1982, mit sich selbst als Gluthammer) – und an der Burg. Sein Schauspieldebüt am Burgtheater gab er erst 1996 als Hohes Alter in Raimunds Zaubermärchen “Der Bauer als Millionär”.

Als Opern-Regisseur machte Otto Schenk, der sich vorzugsweise an den Salzburger Irrsee zurückzieht, Weltkarriere. Seine erste Oper inszenierte er mit Mozarts “Zauberflöte” bereits 1957 am Salzburger Landestheater. Den endgültigen Durchbruch in dieser Sparte schaffte Schenk 1962 mit Bergs “Lulu” an der Wiener Staatsoper. Bei den Salzburger Festspielen (wo er 1986-88 Direktoriums-Mitglied war) inszenierte er u.a. die Uraufführung von Cerhas “Baal” (1981). Der neue Staatsopern-Direktor Bodgan Roscic behält die legendäre “Rosenkavalier”-Inszenierung Schenks aus dem Jahr 1968 im Repertoire und lässt sie lediglich musikalisch auffrischen.

Die New Yorker Met, wo Schenk 1970 mit “Fidelio” debütierte und 2009 noch einmal seinen “Ring des Nibelungen” (1986-88) auf die Bühne brachte, wurde seine zweite Heimat. Hier brach er für eine Zusammenarbeit mit Anna Netrebko 2006 auch seinen Eid, sich endgültig von der Regie zurückzuziehen, und inszenierte Donizettis “Don Pasquale”.

Schenk hat sich mit unzähligen Rollen in das Gedächtnis des Publikums gespielt, etwa als “Bockerer” (1984 im Münchner Volkstheater bzw. 1993 in der Josefstadt), als Fortunatus Wurzel in “Der Bauer als Millionär” (Salzburger Festspiele, 1987), als “Volpone” (1989), als Salieri in Shaffers “Amadeus” (1991), als Zauberkönig in “Geschichten aus dem Wiener Wald” (1994), als Molieres “Der Geizige” (1995), als Rappelkopf in Raimunds “Der Alpenkönig und der Menschenfeind” (Salzburger Festspiele, 1996), in Turrinis “Josef und Maria” (1999) oder als Thomas Bernhards “Theatermacher” (2006).

Er ist ebenso Kammerschauspieler wie Ehrenmitglied von Wiener Staatsoper und Theater in der Josefstadt, zum 80er wurde er auch “Bürger von Wien”. “Die Kunst, zum Lachen zu bringen, ist Otto Schenk wie kaum einem anderen gegeben. Weil dieses Lachen aber mit dem geheimen Erkennen menschlicher Fehlbarkeit verbunden ist, lieben ihn die Menschen”, hieß es 2000 in der Begründung für den Lebenswerk-“Nestroy”. “Otto Schenk hilft ihnen, im Lachen für Augenblicke ihre Ängste aufzulösen. Und tröstet sie damit über eigenes Missgeschick, eigene Schwächen hinweg. So ist er zum populärsten Schauspieler Österreichs geworden.”

Seine Popularität in Österreich verdankt Schenk, der seit 1956 mit seiner Frau Renée verheiratet ist und mit ihr einen Sohn (den Dirigenten Konstantin, geb. 1957) hat, auch seiner regen Bildschirm-Präsenz und seinen zahlreichen Lesungen und Solo-Abenden, die nach der derzeitigen Corona-Zwangspause erst im Herbst fortgesetzt werden. Mit Kabinettstücken wie “Die Sternstunde des Josef Bieder” (seit 1992) oder “Othello darf nicht platzen” (ab 1990) hat er sich vor allem als Komiker ins kollektive Gedächtnis eingeschrieben.

“Es war nicht immer komisch”, hat er dagegen ein Erinnerungs-Buch genannt, “Ich war nie darauf aus, dass es komisch wird. Ich war darauf aus, dass man mir glaubt.” Zum Geburtstag ist ein weiteres Buch über Otto Schenk erschienen. “Schenk – Das Buch” zeichnet anhand vieler Fotos von Michael Horowitz “ein intimes Lebensbild”, wie es im Untertitel heißt. Schenk outet sich in dem Buch als “Menschenfresser” und schließt mit einem Ausblick auf das unweigerlich kommende Lebensfinale: “Würde man mich fragen, ob ich Angst vor dem Tode habe, so würde ich antworten: Fragt mich das später!”

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