Viennale 2020 mit Fliegenpilzen, mehr Abstand und Kinos

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Viennale 2020 mit Fliegenpilzen, mehr Abstand und Kinos

Mit einer “fröhliche Ansammlung stilisierter Fliegenpilze” wirbt die Viennale für ihre 58. Ausgabe, die von 22. Oktober bis 1. November stattfindet. Neben dem diesjährigen Plakatsujet stellte Direktorin Eva Sangiorgi am Donnerstag auch den Trailer vor, der von der Regisseurin Alice Rohrwacher gestaltet wurde und in dem der große Autor Pablo Neruda zu Wort kommt, und verriet erste Schwerpunkte.

Um die geltenden Abstandsregeln einzuhalten, die damit verbundenen Kapazitätseinbußen aber einigermaßen wettzumachen, hat das gegenüber den Vorjahren um drei Tage kürzere Filmfestival mit Admiralkino, Blickle Kino, Filmcasino, Le Studio und Votiv Kino fünf Säle zu den offiziellen Festivalkinos der Viennale hinzugefügt. An der “Erfahrung des Film-Sehens im Kinosaal” halte man auch in Zeiten des stark ausgeweiteten Streamings unverändert fest. “Ich glaube, wir haben eine gute Lösung gefunden”, sagte Sangiorgi.

“Solange es nicht möglich ist, die Auswirkungen von Covid-19 in wirtschaftlicher, politischer und sozialer Hinsicht abzuschätzen, bleibt auch uns nichts anderes übrig, als flexibel zu sein, unser Augenmerk auf den jeweiligen Moment zu richten und für allfällige Veränderungen offen zu sein”, hieß es in den Unterlagen. “Die Pandemie zwingt uns zum Nachdenken über die Möglichkeiten eines Festivals unter besonderen Voraussetzungen.” Dieses Nachdenken hat auch zu einem stärkeren Zusammenrücken geführt: Dem abgesagten Filmfestival Diagonale wird Platz eingeräumt, Teile des ursprünglich geplanten Programms im Rahmen von “Austrian Days” zu zeigen.

Einige erste Filme: Oleg Sentsov, der nach seiner unrechtmäßigen Inhaftierung wieder auf freiem Fuß ist, präsentiert seine politische Allegorie auf den Totalitarismus “Nomery (Nummern)”, “First Cow” von Kelly Reichardt wird als einer der wichtigen Filme des Jahres annonciert, “El Gran Fellove” ist der erste Film des Schauspielers Matt Dillon, eine Doku über den kubanischen Musiker Francisco Fellove Valdés (1923-2013). “Never Rarely Sometimes Always” von Eliza Hittman kommt mit dem Großen Preis der Jury der Berlinale nach Wien. Angekündigt wurde u.a. auch “Die letzte Stadt” von Heinz Emigholz und “City Hall” von Frederick Wiseman.

Aus Österreich sind u.a. “Epicentro” von Hubert Sauper, “Aufzeichnungen aus der Unterwelt” von Tizza Covi und Rainer Frimmel und “Zaho Zay” von Georg Tiller und Maéva Ranaivojaona dabei. Dazu gibt es die Reihe “Austrian Auteurs”, die sich dem heimischen Filmschaffen der 1970er-Jahre widmet. Weitere Specials gelten “Passagen durch das filmische Werk von Christoph Schlingensief” und dem jugoslawischen Filmemacher Zelimir Zilnik. Die Filmmuseums-Retrospektive “Recycled Cinema” widmet sich dem Umgang mit Found-Footage-Filmmaterial. “Die Frage, wer die Hoheit über die Bilder hat, war immer schon eine politische Frage”, sagte Filmmuseums-Direktor Michael Loebenstein.

Das Plakatsujet der Viennale 2020 präsentiert an Strandschirme erinnernde Fliegenpilze, die wie das Kino “zu ungeahnten Erkenntnissen und Visionen anregen” sollen. “Ich hoffe, diese Pilze werden unsere Erfahrungshorizonte erweitern”, schmunzelte Eva Sangiorgi. Im Viennale-Trailer von Alice Rohrwacher werden dagegen Äpfel gegessen. Am Ende dieses kurzen Spiels von Licht und Schatten, Versuchung und Unschuld, ist ein von Neruda selbst vorgetragener Auszug aus seiner “Ode an den Apfel” zu hören.

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