Wie hoch ist eigentlich die Corona-Dunkelziffer in Österreich?

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Wie hoch ist eigentlich die Corona-Dunkelziffer in Österreich?

Wie viele Österreicher bisher eine auch unentdeckte Covid-19-Erkrankung durchgemacht haben, liegt im Dunkeln. Die letzte, repräsentative “Dunkelzifferstudie” liegt auch schon etwas zurück und stammt aus Herbst 2020. Aktuelle Schätzungen dazu, wie viele Österreicher schon in Kontakt mit dem Coronavirus waren, reichen von sieben bis etwa 30 Prozent. Das ist eine recht große Spannbreite. Die 30 Prozent hatte Franz Allerberger von der AGES kürzlich im parlamentarischen Gesundheitsausschuss angegeben. Sie fußt auf Daten aus Ischgl.Bei dieser Untersuchung der Medizinischen Universität Innsbruck handelt es sich um die einzige Kohortenstudie in Österreich, aus der sich ein Rückschluss auf die Fallsterblichkeit – also der Anteil der Verstorbenen unter den insgesamt Infizierten – ableiten lässt, erklärte die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES). Unter einer Kohorte wird ein Ausschnitt einer Population verstanden, der beispielsweise die Gesamtbevölkerung in einem bestimmten Gebiet oder auch regionsübergreifend einen bestimmten Jahrgang umfassen kann. Derartige Studien brauche es im Bereich der Öffentlichen Gesundheit, um sich dem tatsächlichen Risiko einer Infektionskrankheit anzunähern.

Die Ischgl-Kohortenstudie hat eine Sterblichkeit von 0,26 Prozent ermittelt. Damit liege sie in jenem Bereich, zu dem u.a. auch eine ähnliche regionale Studie in Deutschland kommt. Allerberger dazu: Nehme man die bis zum 23. Februar verzeichneten, mit Covid-19 in Zusammenhang stehenden Todesfälle her (8.317 Menschen laut “AGES Dashboard COVID19”) und geht davon aus, dass es sich dabei um jene 0,26 Prozent handelt, die die Tiroler Studie nahelegt, kommt man hochgerechnet in etwa auf über drei Millionen Österreicher, die bisher vermutlich eine symptomatische oder asymptomatische Covid-19-Erkrankung durchgemacht haben.

Vorsichtig geschätzt, entspräche dies rund 30 Prozent der Gesamtbevölkerung. Zum Vergleich: Bisher haben sich laut AGES-Daten hierzulande seit Beginn der Pandemie rund 447.000 Menschen nachweislich mit SARS-CoV-2 infiziert.

Eine durch österreichweite Daten gestützte repräsentative Hochrechnung lässt sich zum aktuellen Zeitpunkt jedoch nicht heranziehen. So ging der Simulationsforscher Niki Popper von der Technischen Universität (TU) Wien am Ende der vergangenen Woche davon aus, dass rund 15 Prozent der Österreicher eine SARS-CoV-2-Infektion hinter sich haben – inklusive Dunkelzifferfällen. Das wären zwischen 1,3 bis 1,5 Millionen Menschen, “die zumindest temporär immun sind”, sagte Popper bei einer Pressekonferenz.

Nicht zuletzt steht die Frage der Durchseuchung stark damit im Zusammenhang, ob und wann in Verbindung mit Immunisierungen durch Impfungen eine Herdenimmunität die Ausbreitung der Erkrankung sozusagen automatisch unterbindet. Laut Expertenmeinungen müssten dafür aber Immunitätsraten von mindestens 50 bzw. eher 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung erreicht werden.

Schätzmethode: Sieben Prozent

Mit einer indirekten Schätzmethode der Durchseuchung warteten Ende Jänner Wissenschafter vom Institut für Demographie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) sowie der TU Wien auf. Die Berechnung mit der im Fachblatt “PLOS One” vorgestellten Methode für Österreich ergab um den Zeitpunkt der Publikation einen Anteil von rund sieben Prozent.

Bis Mitte bzw. Ende Oktober vergangenen Jahres hatten rund 349.000 Personen oder 4,7 Prozent der österreichischen Bevölkerung eine Covid-Infektion durchgemacht. Das ergab eine Prävalenzstudie des Bildungsministeriums. Diese Hochrechnung basierte auf Antikörpernachweisen im Blut von insgesamt 92 Proben unter 2.229 Personen über 16 Jahren, die an der Untersuchung teilgenommen haben.

Neue Studie notwendig

Wir sehen, es gibt zu viele unterschiedliche Zahlen und Daten, die in verschiedenen Studien erhoben wurden. Das Bild, dass sie ergeben ist kein klares, der Spielraum ein breiter. Auch aus diesem Grund denkt man, nach Informationen der APA, im Bildungsministerium eine weitere Prävalenzstudie an.

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