Wissenschaftliche Integrität: Plagiatsfälle mit Konsequenzen

Merken
Wissenschaftliche Integrität: Plagiatsfälle mit Konsequenzen

Immer wieder tauchen auch in Österreich Plagiatsfälle auf. In den vergangenen Wochen führten zwei davon zu drastischen Konsequenzen: Die Uni Linz trennte sich von einer Mitarbeiterin, die Wirtschaftsuniversität entzog einer anderen Forscherin das Doktorat. Plagiate sind aber nicht die einzige Form des Fehlverhaltens, zeigt der neue Jahresbericht der Kommission für wissenschaftliche Integrität.

Die Kommission ist ein Organ der 2009 als Verein gegründeten Österreichischen Agentur für wissenschaftliche Integrität (OeAWI). Ihr gehören mittlerweile alle Unis sowie die großen Forschungseinrichtungen und Förderagenturen an. Die aus internationalen Experten zusammengesetzte unabhängige Kommission untersucht Vorwürfe wissenschaftlichen Fehlverhaltens in Österreich, bewertet die Schwere eines Verstoßes und unterbreitet Vorschläge für weitere Maßnahmen. Ob und in welcher Form diese gesetzt werden, obliegt aber den betroffenen Einrichtungen.

Beide Universitäten begründeten ihre Schritte mit den Resultaten der von der Kommission beauftragten Gutachten. Die Forscherin an der Uni Linz schaffte es etwa, in einem Artikel auf einen Anteil von 66 Prozent Fremdmaterial zu kommen, das nicht im Literaturverzeichnis aufgeführt wurde. Auch in ihrer (mittlerweile zurückgezogenen) Habilitationsschrift fanden die Gutachter schon bei einer stichprobenartigen Überprüfung “einige Textblöcke, die einfach übernommen worden waren” und regten eine weitergehende Überprüfung durch die Uni an. Das tat diese offenbar auch und beendete daraufhin das Dienstverhältnis mit der Mitarbeiterin, wogegen diese sich gerichtlich wehrt.

An der WU betraf der Plagiatsfall die Dissertation einer auch bei ihr beschäftigten Wissenschafterin. Nach Aufkommen der Vorwürfe stellte die Universität die Forscherin dienstfrei und bat bei der Kommission um die Nennung möglicher Gutachter – auf Basis derer Expertise entzog sie dann der Forscherin das Doktorat, wogegen diese ebenfalls Rechtsmittel angekündigt hat.

Letzterer Fall findet sich noch nicht detaillierter im (anonymisierten) Jahresbericht 2019, da er erst heuer schlagend geworden ist. Dafür sind andere Plagiatsfälle aufgelistet – wobei diese nicht einmal den Löwenanteil der von der Kommission bearbeiten Fälle ausmachen. Rund die Hälfte dreht sich vielmehr um Konflikte zu wissenschaftlichem geistigem Eigentum oder wissenschaftlicher Korrektheit – also etwa verweigerte oder unberechtigte Autorschaft, Ideendiebstahl oder Zweifel an der Korrektheit von Publikationen. “Auffällig ist, dass dies meist Konflikte zwischen arrivierten Wissenschaftlerinnen oder Wissenschaftler sind”, heißt es im Bericht.

Lediglich ein Drittel betreffen dagegen Plagiate – wobei die Kommission nur solche Fälle aufgreift, in denen die Vorwürfe ausreichend belegt sind. Auf bloßen Verdacht wird sie nicht tätig. Anders als die Fälle zu geistigem Eigentum oder wissenschaftlicher Korrektheit betreffen Plagiatsfälle dagegen mehrheitlich Qualifikationsarbeiten von Nachwuchsforschern, konstatiert der Bericht: “Hier stellt sich der Kommission verschiedentlich die Frage, ob die Betreuung solcher Arbeiten in den betroffenen Einrichtungen adäquat geregelt ist und mit der erforderlichen Sorgfalt durchgeführt wird.”

Deutlich wird das an einem im Bericht aufgezeigten Fall: Darin geht es um zwei Diplomarbeiten aus den Jahren 2003 und 2004, die noch dazu beim gleichen Betreuer eingereicht wurden (und wiederum auf einer anderen Diplomarbeit an einer anderen Uni fußen). Die ersten 80 Seiten der zweiten Arbeit seien laut Bericht ein “eindeutiges Plagiat der Diplomarbeit gewesen, sogar die Formatierung war übernommen und ganze Textteile kopiert worden, ohne auf die vorherige Diplomarbeit zu verweisen.”

Insgesamt hat die Kommission 2019 14 Anfragen erhalten – das ist etwas weniger als 2017 (25) und 2018 (22), entspricht aber in etwa dem langjährigen Schnitt. Inklusive von noch aus den Vorjahren offenen Fällen wurden 19 Anfragen abgeschlossen.

Teilen auf:
Kommentare:

Es sind noch keine Kommentare abgegeben worden.

Schreibe einen Kommentar

Auch Interessant

In Tschechien schnellt die Zahl der Corona-Neuinfektionen wieder hoch. Am Dienstag kamen 212 neue Fälle hinzu, wie das Gesundheitsministerium am Mittwoch bekanntgab. Es war die höchste Zahl seit knapp einem Monat. Die Zahl der aktiv Infizierten stieg erstmals seit Beginn der Pandemie über die 5.000er-Marke und lag bei 5.046. Knapp 9.000 Menschen galten als genesen. Mit der Erkrankung wurden 360 Todesfälle in Verbindung gebracht. Nach Einschätzung der Behörde stehen lokale Corona-Hotspots hinter dem jüngsten Anstieg. In der östlichen Verwaltungsregion Mährisch-Schlesien war deshalb die Maskenpflicht wiedereingeführt worden. In der nördlichen Region um Liberec (Reichenberg), die an Sachsen grenzt, wird der Mundschutz ab Freitag in Gesundheits- und Sozialeinrichtungen wie beim Besuch von Apotheken verpflichtend. Allein im Zusammenhang mit einer Party in einem Prager Nachtklub registrierten die Behörden 65 Fälle. Unter den Infizierten seien auch Fußballspieler mehrerer Drittligavereine, sagte eine Sprecherin des Gesundheitsamts im tschechischen Fernsehen CT. Unterdessen wird eine Verschiebung der Regional- und Senatswahlen, die am 2. und 3. Oktober stattfinden sollen, nicht mehr gänzlich ausgeschlossen. Hintergrund ist, dass Menschen in Quarantäne nicht an Wahlen teilnehmen dürfen. Er wolle niemandem das Wahlrecht streitig machen, sagte Innenminister Jan Hamacek und kündigte die Gründung einer Arbeitsgruppe zu dem Problem an.

Erstmals mehr als 5.000 aktive Corona-Fälle in Tschechien

Bundeskanzler Sebastian Kurz pocht im Rückblick auf die Flüchtlingskrise 2015, die sich dieser Tage jährt, auf einen “Systemwechsel in der europäischen Migrationspolitik”. Illegale Migranten müssten an der europäischen Außengrenze gestoppt werden – “damit zerschlagen wir das Geschäftsmodell der Schlepper und beenden das Sterben im Mittelmeer”, zeigte sich Kurz gegenüber der APA überzeugt. “Wir in Europa müssen darüber entscheiden, wer zuwandern darf und nicht die Schlepper”, meinte Kurz in einer schriftlichen Stellungnahme. Deshalb seien illegal eingereiste Migranten an der EU-Außengrenze aufzuhalten und in ihre Herkunftsländer oder sichere Drittstaaten zurückzubringen. Es sei eine der wichtigsten Lehren aus der Flüchtlingskrise vor fünf Jahren, dass “illegale Migration quer durch Europa unrechtmäßig und daher auch zu stoppen ist”. Viele Länder hätten mittlerweile ihre Politik verändert, auch Deutschland, erklärte Kurz. “Wir müssen unsere Systeme, unsere Sicherheitsbehörden wie unseren Sozialstaat, vor einer Überforderung schützen.” Auch dürfe man “keinen neuen Antisemitismus aus der arabischen Welt ins Land importieren”, verwies der Kanzler auf die kürzlichen antisemitischen Übergriffe in Graz. Kurz war 2015 Außen- und Integrationsminister unter dem roten Kanzler Werner Faymann. Aus den Tagen und Wochen vor fünf Jahren ist dem heutigen Regierungschef vor allem Chaos in Erinnerung geblieben: “Ich denke in erster Linie an Bilder der Überforderung des Staates, als zum Beispiel österreichische Polizisten erfolglos versuchten, die Pässe von illegalen Migranten an der Grenze zu kontrollieren und diese an ihnen vorbeigingen”, so Kurz. “Genauso kommen mir aber auch Bilder in den Kopf von der Grausamkeit der Schlepper, wie etwa jene des toten Flüchtlingskindes Alan Kurdi.” Dass die Politik auf die Flüchtlingswelle nicht vorbereitet war, liegt für Kurz daran, dass “die Willkommenskultur und das staatlich organisierte Weiterwinken” damals “bei den meisten Regierungen in Europa Konsens” gewesen seien. “Daran wurde zu lange festgehalten, wohl auch aus Sorge vor einem möglichen Gesichtsverlust”, kritisiert Kurz. “Das hat aber zu einer massiven Überforderung in Mitteleuropa geführt.” Im Gegensatz zu vielen anderen Politikern ließ sich Kurz 2015 nicht medienwirksam am Westbahnhof blicken, wo tausende Flüchtlinge strandeten und von Freiwilligen versorgt wurden. Diese teils auch kritisierte Entscheidung hält Kurz auch heute noch für richtig: Er habe als Integrationsminister stets darauf verwiesen, dass der Sozialstaat nicht überfordert werden dürfe. “Die Integration einer so großen Zahl an Menschen aus ganz fremden Kulturkreisen mit einem meist nur niedrigen Bildungsniveau und keinerlei Deutschkenntnissen ist seit Jahren eine sehr große Herausforderung und bleibt es auch noch auf viele Jahre hinaus.” Eine chaotische Flüchtlingskrise wie 2015 könnte sich auch heute wiederholen – davon ist der damalige burgenländische Polizeichef und heutige Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) überzeugt. Die Politik habe “bis heute keine Lösung präsentiert”, kritisierte er im APA-Interview. Doskozil fordert Verfahrenszentren außerhalb Europas, sodass nur noch Asylberechtigte nach Europa kommen können. Die Politik habe aus der Flüchtlingskrise 2015 nicht die richtigen Schlüsse gezogen, glaubt Christian Kern, damals ÖBB-Manager und späterer SPÖ-Kanzler. “Ich fürchte, dass man wenig daraus gelernt hat”, meinte Kern im APA-Gespräch. Dennoch hat er die Krise als “einen der besten Momente der Zivilgesellschaft in Österreich” in Erinnerung. Nach wie vor hat Kern, der für sein Krisenmanagement als ÖBB-Chef viel Lob erfahren hat, die Bilder von damals im Kopf: Am eindrücklichsten sei gewesen, als die ersten Züge mit Flüchtlingen aus Ungarn an den Wiener Bahnhöfen ankamen und von Helfenden empfangen wurden, “das war wie ein Wimmelbild, wenn man so will”. Die verängstigten und völlig erschöpften Menschen seien auf “Menschlichkeit” und eine “enorme Hilfsbereitschaft” der Bevölkerung gestoßen. Das Urteil des Migrationsforschers Gerald Knaus über die Entwicklung der Flüchtlingspolitik Europas in den vergangenen fünf Jahren fällt vernichtend aus. “Kollektives Versagen, von ganz, ganz vielen Akteuren”, ortet er im Gespräch mit der APA. Es sei bis heute nicht gelungen, zu artikulieren, wie Grenzkontrolle unter Berücksichtigung von bestehendem Recht – vor allem Menschenrecht – passieren könne. Dieses Fehlen von Konzepten habe die “Tür weit geöffnet für all jene, die sagen: ‘So lange wir nicht wissen, wie wir irreguläre Migration im Einklang mit unseren Gesetzen reduzieren können, akzeptieren wir stillschweigend, dass wir unsere Gesetze brechen’, kritisiert Knaus. Genau das passiere derzeit an den Außengrenzen der EU: Die Verletzung von Rechtsstandards wie der Genfer Flüchtlingskonvention (GFK), katastrophale Bedingungen in griechischen Flüchtlingscamps, ein de-facto-Aussetzen des Asylrechts in Ungarn, illegale Pushbacks und teils Brutalität von Grenzbeamten.

Kurz im Rückblick für "Systemwechsel" in Migrationspolitik

Taxiunternehmer erleiden wegen der Coronavirus-Pandemie Umsatzeinbrüche von bis zu 80 Prozent. Es handle sich meistens “um Kleinstunternehmen, die selbst fahren. Viele haben sich selbst ruhend angemeldet und sich arbeitslos gemeldet. Manche größere werden sicher in Kurzarbeit gehen”, so Erwin Leitner vom Taxi-Fachverband in der Wirtschaftskammer.

Taxis: 80 Prozent Umsatzeinbruch

Der Countdown läuft. In ziemlich genau zwei Monaten eröffnet das neue Stadttheater Greif. Die Arbeiten gehen in die Schlussphase. Wir haben uns vor Ort umgesehen.