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Kultregisseur Ulrich Seidl ist 70 Jahre alt

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Kultregisseur Ulrich Seidl ist 70 Jahre alt

Es war kein einfaches Geburtstagsjahr für Ulrich Seidl. Im Februar feierte mit „Rimini“ der hochgelobte Teil 1 eines Filmdoppels Weltpremiere auf der Berlinale. Dann brach im September nach einer „Spiegel“-Recherche zu den Drehumständen von Teil 2, „Sparta“, eine vehemente, teils polemisch geführte Debatte um die Arbeitsweise des Kultregisseurs los. Missachtung von Kinderrechten und Fehlinformation der Eltern wurde angeprangert. Heute nun feiert Seidl 70. Geburtstag.

Die Fördergeber kündigten eine Untersuchung an, deren Ergebnisse noch ausstehen. Doch seit Seidl im Oktober in die Offensive ging und seine Sicht der Dinge auf den Dreh in Rumänien darlegte, scheinen sich die Wogen etwas geglättet zu haben. Nicht zuletzt der Film selbst, in dem Georg Friedrich einen Mann spielt, der gegen seine pädophilen Neigungen kämpft und im armen Rumänien ein Camp für Jugendliche eröffnet, beeindruckte Kritiker wie Publikum. Er stellt das Gegenstück zu „Rimini“ dar, in dem Michael Thomas einen abgehalfterten Schlagersänger im schmierigen Abseits spielt.

Die Polemik um „Sparta“ stellte dabei die Spitze der Diskussionen um Ulrich Seidls Œuvre dar, reiht sich zugleich aber ein in heftige Kritiken, welche die Filme des Regisseurs stets evozierten. Egal ob man Seidls Werke mag oder nicht, kalt lassen sie einen nie. Das war schon bei den ersten dokumentarischen Werken auf der Filmakademie so, das galt für „Hundstage“, „Import Export“, „Im Keller“ oder nun auch die beiden jüngsten Arbeiten. Dass Seidl als einer der irritierendsten, kontroversesten und wichtigsten Filmemacher seiner Generation gilt, verdankt er seinem insistierenden Blick. Und seiner
Fähigkeit, Menschen zu finden, die sich bereitwillig diesem Blick aussetzen und dabei jene menschlichen Untiefen offenbaren, die üblicherweise gut versteckt in den eigenen vier Wänden bleiben. Seine Filme versteht er als Spiegel, nicht als Zerrspiegel.

Bereits mit seinem Spielfilmdebüt „Hundstage“ gewann er 2001 den Großen Preis der Jury bei den Filmfestspielen von Venedig, wo zwölf Jahre später auch „Paradies: Glaube“ mit einem Jurypreis ausgezeichnet wurde, ein Film, dem Blasphemie vorgeworfen wurde. Seine Doku „Jesus, du weißt“ verwandelte Seidl an der Berliner Volksbühne in ein Theaterstück mit dem Titel „Vater unser“. Die Auseinandersetzung mit Religion kommt nicht von ungefähr. Der am 24. November 1952 in Wien geborene und im niederösterreichischen Horn aufgewachsene Seidl hätte eigentlich Priester werden sollen, schlich
stattdessen aber an den Wochenenden ins für ihn verbotene Kino: Uschi Glas und Western waren erste prägende Filmerfahrungen. Seidl studierte in Wien Publizistik, Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte, mit Jobs als Nachtwächter, Lagerarbeiter und als Medikamentenversuchskaninchen finanzierte er sein Studium.

Erst mit 26 Jahren entschloss er sich, die Filmakademie zu besuchen, die er nach seinem Debüt „Einsvierzig“ (über einen
Kleinwüchsigen) und dem umstrittenen Film „Der Ball“ frühzeitig wieder verließ – Filme, in denen die charakteristische Bildsprache und die radikale Annäherung an die Themen bereits deutlich vorhanden sind. Seidls filmisches Schaffen umfasst alle Facetten zwischen Dokumentar- und Spielfilm und mischt diese, so wie er gerne sowohl mit professionellen Schauspielern (Maria Hofstätter, Georg Friedrich, Michael Thomas u.a.) als auch mit Laien dreht. Er sei nicht darauf angewiesen, dass geschriebene Szenen in den Film kommen, verlasse sich dagegen vielmehr auf Improvisation und daraus erwachsende Überraschungen, deshalb könne die Arbeit an seinen Filmen oft jahrelang dauern, sagt Seidl, der als Drehbuchautor,
Regisseur und Produzent sein Leben ganz dem Film gewidmet hat.

Bildquelle: APA/HANS KLAUS TECHT/HANS KLAUS TECHT

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